Herzlich Willkommen in meiner Praxis für Psychotherapie!
Ich begleite Sie gerne dabei wieder zu Gleichgewicht und Wohlbefinden zu finden, psychosomatische Beschwerden zu lindern und Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu stärken.
Meine Form der Psychotherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine wissenschaftlich fundierte Form der Psychotherapie. Sie ist nachgewiesenerweise wirksam bei der Linderung psychischer Leiden, Stärkung der Gesundheit und Förderung von Wohlbefinden. Auf dieser stabilen Basis vertrete ich einen integrativen Therapieansatz, in dem Wissen und Weisheit anderer Therapieschulen berücksichtigt werden. Denken, Fühlen und Wollen versuche ich im Sinne einer ganzheitlichen Therapie ausgewogen zu fördern. Menschlichkeit und Vertrauen stehen für mich an erster Stelle.
Möchten Sie mehr wissen über die Kognitive Verhaltenstherapie und meine Arbeitsweise?
Wer und was wird behandelt?
Ich behandele ausschließlich Erwachsene, bei denen ich nach ausführlicher Diagnostik das Vorliegen einer psychischen Störung feststellen konnte. Alle üblichen psychischen und psychosomatischen Störungsbilder werden in meiner Praxis therapiert. Sofern keine Diagnose erfüllt ist und dennoch ein Wunsch nach Begleitung und Unterstützung besteht, biete ich alternativ Beratung und Coaching an. Meine Praxis verstehe ich als Ort der Vielfalt – hier dürfen Sie sich willkommen fühlen als der Mensch, der Sie sind. Gegenseitiger Respekt und Wohlwollen bildet die Grundlage meiner Arbeit.
Sie interessieren sich für die Diagnosen, die in meiner Praxis behandelt werden?
Organisatorisches: Ablauf, Rahmen, Kosten und Kostenträger
Zu Beginn findet eine ausgiebige Diagnostik mit unterstützender Fragebogentestung statt. Falls Diagnosen erfüllt sind, biete ich Ihnen eine ausführliche Aufklärung und Beratung zu Diagnosen und Therapiemöglichkeiten. Auf Wunsch kann ich Ihnen dann auch effektive Selbsthilfemöglichkeiten aufzeigen.
Möglich sind Einzel- und Gruppentherapie für Erwachsene.
Ich bin zugelassen für alle Kassen.
Möchten Sie weitere Details über Organisatorisches?
Therapiebausteine
Ich arbeite evidenzbasiert, das heißt meine Methoden wurden wissenschaftlich in ihrer Wirksamkeit überprüft und bestätigt. Dabei stehen Sie als Individuum im Mittelpunkt – gemeinsam entwickeln wir Lösungswege, die zu Ihnen passen. Psychotherapie ist immer Hilfe zur Selbsthilfe – daher zeige ich Ihnen Wege, mit denen Sie sich weiter entwickeln können im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen.
Sie interessieren sich mehr für die Möglichkeiten einer Psychotherapie bzw. konkrete Therapiebausteine?
Notfälle, TherapeutInnensuche, Selbsthilfe und Orientierung im Gesundheitssystem
Sie oder eine andere Person benötigen dringend Hilfe? Klicken Sie hier:
Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Strategien um an einen Psychotherapieplatz zu kommen:
Wer ist eigentlich im Gesundheitssystem zuständig für Diagnostik und Therapie von psychologischen und psychosomatischen Beschwerden?
Guter Rat ist nicht immer teuer. Und mit ein wenig Anstrengung kann man sich mit Vielem helfen. Hier sind wertvolle Hinweise und Tipps:
Über mich
Als studierter Psychologe (Master of Science), Psychologischer Psychotherapeut (Fachkunde Verhaltenstherapie) und Mensch mit bewegtem Lebenslauf freue ich mich darauf, Sie mit meinem Fachwissen und meinem persönlichen Erfahrungsschatz zu unterstützen.
Möchten Sie mehr wissen über meine Person und meine Qualifikationen?
Meine Form der Psychotherapie
Informieren Sie sich gerne über Kognitive Verhaltenstherapie und meine Arbeitsweise! Hier können Sie entscheiden, welche Aspekte für Sie interessant sind.
Allgemeine Informationen zur Kognitiven Verhaltenstherapie
Kognitive Verhaltenstherapie als wissenschaftliche Grundlage
Die Kognitive Verhaltenstherapie ist ein auf Wissenschaft basierendes Psychotherapieverfahren. Sie hat sich entwickelt aus den empirischen Sozialwissenschaften und der Naturwissenschaft. Diese Forscher haben untersucht, wie Menschen sich entwickeln und auch wie psychische Störungen entstehen. Sie fanden dabei heraus, dass Denken, Fühlen und Wollen und auch psychische Beschwerden sehr viel mit Lernprozessen zu tun haben. Daher stützt sich die Diagnostik und Therapie in der Kognitiven Verhaltenstherapie auf die Gesetze des Lernens und der menschlichen Entwicklung. Um Menschen und psychische Störungen zu verstehen, kann man zum Beispiel die persönliche Lerngeschichte betrachten, das heißt wie sich unser Denken, Fühlen und Handeln im Zusammenhang mit der persönlichen Biografie entwickelt hat. Die Diagnostik kann sich aber auch auf eine Analyse der Lernergebnisse im Hier und Jetzt beziehen. Das heißt, dass in der Gegenwart und näheren Vergangenheit systematisch erarbeitet wird, welche psychischen Mechanismen zu Problemen führen oder diese verstärken. Daraus leiten TherapeutInnen gemeinsam mit den PatientInnen ab, was neu- oder umgelernt werden sollte, um im Leben Erfüllung zu finden und Schwierigkeiten zu bewältigen.
Die positive Botschaft der Verhaltenstherapie lautet also: Leben ist lernbar!
Früher berücksichtigte die Verhaltenstherapie fast nur äußeres Verhalten. Man warf ihr – meiner Meinung nach zurecht – vor, dass sie damals zu oberflächlich, technisch oder rational gewesen sei. Viele VerhaltenstherapeutInnen erkannten jedoch im Laufe der Zeit, dass Denken und Fühlen ebenso wichtig sind. Daher kann man heute nicht mehr unbedingt sagen dass VerhaltenstherapeutInne „so oder so“ sind. Jede/r Therapeut/in entscheidet selbst in seinem/ihrem individuellen Therapiekonzept in wie weit Denken, Fühlen und Handeln berücksichtigt werden. Die Verhaltenstherapie kann daher genauso „tief“, emotional und lösungsorientiert sein wie etwa die Tiefenpsychologie oder die Systemische Therapie. Die verschiedenen Therapieschulen müssen nicht in Konkurrenz miteinander sein, sondern können sich gegenseitig ergänzen und bereichern. Letztlich sind Therapieschulen auch immer nur eine Ansammlung an Wissen, Anschauungen und Methoden. Die VertreterInnen der verschiedenen Therapieschulen sind tatsächlich sehr unterschiedlich im Umgang mit ihrem Wissen und ihren Werkzeugen. Die Kognitive Verhaltenstherapie zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein besonderes Interesse an den anderen Therapieschulen gezeigt hat. Viele Schätze anderer Therapieschulen wurden daher in die Verhaltenstherapie integriert und weiter entwickelt. Mit dieser Vielfalt stellt sie eine reichhaltige und breite Grundlage bereit, um Störungen des Wohlbefindens zu verstehen und individuelle Wege zu der Bewältigung von Leid bzw. der Steigerung von Glück und Wohlbefindens zu entwickeln.
Im Herzen ist die Kognitive Verhaltenstherapie konstruktivistisch – das heißt, dass das individuelle Weltbild der PatientInnen berücksichtigt wird und Anregungen gegeben werden, um mit professioneller Beratung und Begleitung eigene Lösungen zu entwickeln (z.B durch den sogenannten Sokratischen Dialog). Letztlich lernen die PatientInnen im besten Fall also, sich selbst zu helfen.
Ich begleite Sie gerne auf diesem Weg zu mehr Verständnis, Empathie und Freundlichkeit mit sich selbst sowie der Entfaltung der in Ihnen schlummernden Potentiale. Schauen Sie gerne auf meiner Website unter Methoden um sich konkreter über Therapiebausteine zu informieren!
Menschenbild: Leben ist lernbar!
Das zentrale Menschenbild der Kognitiven Verhaltenstherapie ist: Das Leben ist lernbar. Alle Menschen tragen das Potential zur Entwicklung in sich. Krisen und psychische Störungen müssen daher nicht als Makel abgewertet werden – sondern können gesehen werden als Gelegenheit, um über unsere bisherigen Grenzen hinaus zu wachsen.
Psychische Störungen und Krisen können uns – wenn wir sie richtig verstehen – wertvolle Hinweise darauf geben, welche Lernaufgaben für uns besonders wichtig sind um in ein Gleichgewicht zu kommen. Das geht in der Regel mit einer Erweiterung des eigenen Horizontes einher. Mit meinen Kenntnissen kann ich Sie dabei unterstützen, Ihr Leben dahingehend zu verstehen, wo Ihre persönlichen Wachstumsaufgaben liegen und wie Sie diese bewältigen können.
Ich gehe gemäß der sokratischen Grundhaltung fest davon aus, dass die Lösungen der menschlichen Probleme in den Menschen selbst liegen. Mit Psychotherapie biete ich Ihnen Hilfe zur Selbsthilfe an, damit Sie Ihre Lösungen und Antworten finden und einen eigenen Weg gestalten, damit Sie zu einem zufriedeneren Leben finden.
Was bedeuten psychosomatische Symptome? Wie entstehen sie?
Psychosomatische Störungen können auf sehr unterschiedliche Weise entstehen – und können daher sehr Unterschiedliches bedeuten!
Bei ihrer Entstehung können Körperliche-, Psychische- und/oder Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Man spricht vom bio-psycho-sozialen Ansatz (siehe z.B. S3 Leitlinie Depression). In der Zusammenarbeit mit ÄrztInnen versuche ich in der Psychotherapie individuell herauszufinden, welche Faktoren für Sie die wichtigsten sind, um passende Behandlungsmethoden zu finden.
Häufig entstehen psychosomatische Symptome im psychologischen Sinn als Folge unsere Vorstellungen davon, wie die Wirklichkeit ist oder sein soll. Diese haben wir im Zusammenhang mit unserer Vergangenheit erlernt. Durch diese Vorstellungen gehen wir mit uns oder der Welt mitunter so um, dass Symptome und vermeidbares Leid entstehen. Beispielsweise setzen wir unseren Körper und unsere Seele unter Dauerstress, wenn wir zu misstrauisch, zu harmoniesüchtig, zu leistungsorientiert oder zu perfektionistisch sind oder ständig bei allen Menschen beliebt sein wollen (Nicht Nein sagen!). Ein und die selbe Situation kann einem Menschen in ganz unterschiedlichem Licht erscheinen, je nach dem wie er sie wahrnimmt. Unsere Einstellung wirkt auch auf unsere Emotionen, unser Verhalten und weiter auf unseren Körper. Denn über Nerven und Hormone reagieren unsere Organe auf unsere Gedanken und Gefühle, z.B. durch Symptome von chronischem Stress. Beispiele wären:
- Körperlich: Antriebslosigkeit, Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schwitzen, Kribbeln, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Herzstolpern etc…
- Seelisch: Übermäßige Trauer, Niedergeschlagenheit, Angst, Scham, Ärger,…
- Geistig: Konzentrationsstörungen, Sorgen, Grübeleien,…
Der vielleicht wichtigste Grund für psychische Störungen ist eine Folge der Vorstellungen von uns Selbst und der Welt – nämlich die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen. Beziehung mit sich selbst will gelernt sein – denn egal wie turbulent die Umstände auch werden – mit einer guten Beziehung zu sich kann man sich selbst viel Stabilität und Wohlbefinden schenken. Umgekehrt nimmt man die Beziehung zu sich selbst in alle anderen Aspekte des Lebens mit hinein – und kann sich dadurch viel Lebensqualität verderben.
Nicht nur die Vorgänge in unserer Psyche beeinflussen stark wie wir uns fühlen – ein weiterer wichtiger Grund für psychische Störungen ist die Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen zu anderen Menschen erleben und gestalten. Mit anderen Menschen in eine innige Verbindung zu kommen – miteinander Spaß haben und sich gegenseitig in der richtigen Weise unterstützen – ist mitunter gar nicht so einfach. Eine Begegnung so zu gestalten, dass einerseits die Kommunikation gemäß der eigenen Bedürfnisse gestaltet wird und andererseits ebenfalls die Bedürfnisse meines Gegenübers berücksichtigt und gewürdigt werden ist eine komplexe Lernaufgabe. Smalltalk, Gespräche über persönliche Gedanken und Gefühle und Konfliktlösegespräche sind jeweils wichtige soziale Kompetenzen, die von jedem Menschen gelernt werden können. Sich in diesen Gebieten weiter zu entwickeln kann Ziel und Aufgabe einer Psychotherapie sein.
Zuletzt spielt in die Entstehung psychischer Symptome auch die Sichtweise auf und die Gestaltung von dem persönlichen Lebenswandel eine wichtige Rolle. Weiß ich was meine Werte sind und was ich will? Probiere ich mich aus und gehe auf Entdeckungsreise, um meine Vorlieben, Abneigungen, Interessen, Werte und Ziele zu entdecken? Falls ich weiß was ich will – lebe ich das Leben, das ich gerne leben will – und das meinen Bedürfnissen entspricht?
Das Zusammenspiel aus Gedanken, Aufmerksamkeit, Gefühlen, Verhalte, Körperreaktionen und der Umwelt kann also zu psychischen und psychosomatischen Störungen führen. Dieses Zusammenspiel kann man in einer Psychotherapie meist verstehen. Werden diese – oft zunächst unbewussten – Muster bewusst gemacht, können sie geklärt und bearbeitet werden. Das führt oft zu Änderungen in den verschiedenen Bereichen (Verhalten, Gefühl, Gedanken, Aufmerksamkeit). Symptome können so häufig gelindert werden oder verschwinden ganz, Lebensfreude kann gefördert werden. Dabei können die entscheidende Stellschrauben zur Verbesserung der psychischen Gesundheit an unterschiedlichen Stellen liegen – mal mehr der Umgang mit den Gedanken, den Gefühle, dem Verhalten oder der Umwelt. Sofern die Probleme richtig identifiziert, passende Lösungen gefunden und diese auch praktisch umgesetzt werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass psychische und psychosomatische Symptome gelindert werden oder verschwinden.
Manchmal jedoch gehört Leid zum Leben dazu – dann können wir lernen dies zu erkennen, zu akzeptieren, den Umgang damit zu verbessern und im Rahmen der Grenzen dennoch nach einem erfüllten Leben zu suchen und es zu genießen. Auch das kann Teil einer Psychotherapie sein.
Durch langjährige wissenschaftliche Beobachtungen konnte festgestellt werden, dass man so für die meisten Menschen deutliche Verbesserungen der Lebensqualität erreichen kann. Psychotherapie lohnt sich in den meisten Fällen.
Umgang sowohl mit den akuten Symptomen als auch den Ursachen
Psychische Leiden sind häufig eine Aufforderung der Seele an den Menschen, wach zu werden. Die Botschaft von unangenehmen Gefühlen oder psychosomatischen Körperbeschwerden heißt in der Regel:
„Hier stimmt was nicht – schau hin und lerne!“
Das führt dann dazu, dass es nötig wird, sich selbst und sein Leben zu hinterfragen, zu verstehen und neu zu bewerten.
Viele Menschen können so an der Bewältigung einer Krise wachsen und danach sogar stärker und weiser sein als davor. Das Leben bekommt dadurch häufig eine neue Bedeutung und Tiefe, die auch zu mehr Erfüllung und Freude führen kann.
Die schnelle Linderung von Leid und Symptomen ist damit zwar auch ein wichtiges Therapieziel – denn wenn das Haus brennt, muss erst mal gelöscht werden! Aber: um nachhaltige Lösungen für Probleme zu finden ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, die Gründe für den Brand zu finden und den Umgang damit zu lernen, damit das Haus, nach dem es gelöscht und wieder aufgebaut wurde, nicht bald schon wieder anfängt zu brennen.
Manche Menschen erwarten von einer Psychotherapie, dass direkt angefangen wird zu therapieren, weil es schnell besser werden soll. Diese Perspektive ist nachvollziehbar – aber meist nicht hilfreich. Denn – um es nochmal mit dem Hausbrand zu vergleichen – wenn die Feuerwehr direkt kommt und irgendein Löschmittel irgendwo auf den Brand abfeuert, wo es sich gerade spontan anbietet – dann kann es sein, dass sie dadurch den Brand noch schlimmer macht! Denn ein Brand wird zum Beispiel schlimmer, wenn man Wasser auf bestimmte Chemikalien oder Öl schüttet. Wenn sie professionell arbeitet, dann prüft sie erst die Art des Brandes, um die richtige Maßnahme zu finden. Das kostet zwar Zeit – lohnt sich aber! Dann findet sie hoffentlich das richtige Löschmittel – uns löscht auch noch direkt an den stellen, durch die der Brand effektiv gelöscht werden kann. Würde sie irgendwo anfangen zu löschen, dann könnte es sein, dass sie viel Zeit und Energie verschwendet! Viel besser ist es, wenn es ihr gelingt, sich erst einmal einen Überblick über die Lage zu machen und dann zielführend, effektiv und planvoll arbeitet.
So macht man das häufig auch in der Psychotherapie – erst mal einen Überblick verschaffen, bevor wild und ziellos drauf los therapiert wird. Das erfordert häufig erst einmal ein bisschen Geduld, schafft jedoch die besten Voraussetzungen um Probleme effizient und nachhaltig zu lösen. Natürlich müssen auch manchmal die „aktuellen Brände“ gelöscht werden – also man arbeitet an aktuellen Themen. Auch das kann weiter helfen und zielführend sein. Man sollte eben die Gefahr dabei im Blick haben, dass man sich möglicherweise damit davon abhält an den zugrundeliegenden Problemen zu arbeiten. Das ist auf Dauer frustrierend für TherapeutInnen und PatientInnen, weil sich grundlegend nichts verändert – Selbstwertprobleme, Ängste oder Hilflosigkeit sorgen weiter in verschiedenen Lebensbereichen für „Brände“ bzw. Problemgefühle.
Daher gilt in meinen Therapien: aktuelle Brände löschen „so viel wie nötig“ und an nachhaltigen Zielen arbeiten „so viel wie möglich“. An welchen Lernaufgaben dann individuell gearbeitet wird um langfristige Gesundheit, Wohlbefinden und Stabilität zu erreichen ist dann sehr individuell.
Die Hausbrand-Metapher wurde entnommen aus dem für Therapeuten sehr hilfreichen Buch „Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung – Das Praxisbuch zur verhaltenstherapeutischen Umsetzung“ von Lena Scholz und Jan Kiesewetter, ISBN: 978-3-608-89319-9
Hilfe zur Selbsthilfe
In der Regel sind die Menschen mit Allem ausgestattet, was sie benötigen, um ihre Probleme zu lösen. Das Problem ist: häufig wissen sie es (noch) nicht! Psychotherapeutische Arbeit bedeutet also, Ihnen dabei zu helfen, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten, die Sie brauchen, um Antworten auf Ihre Fragen zu finden.
Die Verantwortung von PatientInnen für sich selbst bleibt auch in einer Psychotherapie stets in deren eigenen Händen. Denn: Psychotherapeuten können Ihr Leben nicht für Sie leben, sie können Ihnen nur neue Wege zeigen, wie Sie lernen können sich selbst zu helfen. Dies setzt voraus, dass Sie bereit sind, aktiv an der Psychotherapie mitzuarbeiten, mitzudenken und mitzusprechen. Das kann auch bedeuten dass es mal anstrengend und schwierig wird. Letztlich wird Ihnen keine Arbeit abgenommen, sondern PsychotherapeutInnen versuchen Ihnen Wege zu zeigen Ihre Kräfte so geschickt einzusetzen, dass sich das Verhältnis aus Kosten und Nutzen letztlich lohnt.
Freiwilligkeit, Verantwortlichkeit, Selbst- und Fremdgefährdung und Mitwirkungspflicht
Fast alles in der Psychotherapie ist freiwillig. Auch wenn Sie sich dazu entscheiden sich auf den PatientInnen-Stuhl zu setzen, bleibt das so. Es gibt keine Verpflichtung, meine Fragen zu beantworten oder meine Anregungen und Ideen anzunehmen oder umzusetzen. Ich höre Ihnen zu – stelle Ihnen fragen – und biete Ihnen meine Sicht auf die Dinge an. Sie müssen mir natürlich niemals blind glauben oder tun was ich sage. Ich freue mich, wenn Sie meine Angebote prüfen – mir gerne Fragen stellen und Zweifel besprechen. Am Ende entscheiden Sie, was Sie davon annehmen und umsetzen wollen. Schließlich tragen Sie ja auch die Konsequenzen für Ihre Entscheidungen.
Auch für jede diagnostische oder therapeutische Maßnahme müssen Sie entscheiden, ob Sie die potentiellen Kosten, Nutzen und Risiken für eine Verbesserung Ihrer Lebensqualität auf sich nehmen wollen. Psychotherapie ist laut wissenschaftlichen Studien wirksam – und alles was wirkt, hat – wie bei Medikamenten auch – potentielle Risiken und Nebenwirkungen. Ich werde Sie zu Beginn der Therapie über potentielle Chancen und Risiken beraten und aufklären, damit Sie bezüglich der Therapie informierte Entscheidungen treffen können.
Machen wir uns nichts vor: echtes Verständnis und Veränderung wird uns etwas kosten. In der Regel sind das: Schweiß und Blut. Damit meine ich die Bereitschaft, sich anzustrengen und auch da hinzuschauen, wo es schmerzhaft ist. Wenn diese – an den entscheidenden Stellen! – fehlen, dann werden die Erfolgsaussichten auf eine Psychotherapie deutlich geringer. Eine Garantie auf Behandlungserfolg kann zwar grundsätzlich nicht geben. Sind Sie jedoch in ausreichendem Maße entschlossen sich einzulassen und anzustrengen, dann sind die Aussichten auf Erfolg meist gut.
Eine Ausnahme von der Freiwilligkeit stellt die akute Selbst- oder Fremdgefährdung dar. Wenn ein Mensch drauf und dran ist, sich und anderen Menschen schweren Schaden zuzufügen oder zu töten, dann sind wir PsychotherapeutInnen verpflichtet zunächst Hilfe in Form von Gesprächen anzubieten und – wenn nichts mehr hilft – zu handeln. Der Schutz unserer PatientInnen und anderer Menschen steht dabei an erster Stelle. Jedoch: in den allermeisten Fällen, bei denen Menschen lebensmüde Gedanken (Suizidalität) erleben, lassen sich gemeinsam Hilfsmaßnahmen finden, bei denen die Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen gewahrt bleibt. Nur sehr selten finden Zwangseinweisungen in Psychiatrien oder Hilferufe bei der Polizei statt.
Sofern Krankenkassen für Ihre Therapien aufkommen, besteht die Mitwirkungspflicht. Das heißt, dass Sie sich bei Inanspruchnahme einer Kostenübernahme sogar freiwillig dazu verpflichten, die Therapieangebote nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen und zu nutzen. Andernfalls bestünde für mich die Pflicht Sie darauf anzusprechen. Sofern wir keine Lösung finden wäre das ein Grund für ein Therapieende. Im Dialog miteinander findet man jedoch meistens gute Wege.
Schweigepflicht und Transparenz
Schweigepflicht: Unsere Gespräche finden in einem geschützten Rahmen statt. Ich trage die Verantwortung dafür, Ihre Identität und Daten zu schützen. Zwar darf ich über meine PatientInnen sprechen. Jedoch immer nur so, dass die Identität meiner PateintInnen geheim bleibt. Keiner kann so wissen, wer Sie sind oder Ihre Lebensthemen mit Ihnen in Verbindung bringen.
Transparenz: Sie als PatientIn haben jederzeit ein Recht darauf alles rund um Ihre Therapie zu wissen – WAS wir WANN WOZU machen. Sie dürfen mich jederzeit fragen was ich als Therapeut über Sie denke, dürfen meine Mitschriften einsehen, die Akte einsehen oder eine Kopie davon erhalten. Gerne mache ich Ihnen jeden Schritt in der Therapie verstehbar so gut ich kann. Diese Transparenz biete ich Ihnen nicht nur in unserer Arbeitsbeziehung an – damit Sie wissen woran Sie zwischenmenschlich sind – sondern auch im gesamten Therapieprozess.
Qualitätssicherung und Fortbildung
Selbstverständlich reflektiere ich regelmäßig meine Arbeit und überprüfe den Nutzen für meine PatientInnen. Zum Beispiel in Form von regelmäßigen schriftlichen Therapieevaluationen, bei denen meine PatientInnen und ich uns darüber austauschen, wie es läuft und was wir vielleicht mehr berücksichtigen müssen. Es ist wichtig, sich darüber zu verständigen, wo man sich gegenseitig in der Therapie sieht, um sie anzupassen. Therapie ist kein einseitiger Vorgang, bei dem nur der Therapeut das Steuer in der Hand hält. Ein Therapeut kann seinen PatientInnen gegenüber die Therapie nur dann individuell anpassen und gestalten, wenn die PatientInnen ihnen sagen was sie gut finden und was nicht. Auf diese Rückmeldung sind wir Therapeuten angewiesen. Daher lade ich Sie ein mir stets Feedback zu geben, wie Sie die Therapie erleben, und werde mich auch eigenständig von Zeit zu Zeit erkundigen.
Außerdem gehört es zu dem Berufsstand der Psychotherapeuten ganz selbstverständlich mit dazu, dass wir Supervisionen und Intervisionen besuchen. Das bedeutet, dass wir uns mit anderen KollegInnen und extra dafür ausgebildeten PsychotherapeutInnen über Fragen und Schwierigkeiten der Therapien austauschen – natürlich unter strenger Schweigepflicht. Die Probleme und Menschen, mit denen wir konfrontiert sind, sind so vielfältig und unterschiedlich, dass es ganz normal ist, dass wir uns gegenseitig immer mal wieder beraten müssen. Letztlich ist es auch eine Freude, dass wir Psychotherapeuten uns so stetig weiterentwickeln können. Das hilft nicht nur uns, sondern auch unseren PatientInnen.
Zuletzt besuche ich selbstverständlich regelmäßig qualifizierte Fortbildungen, zu denen ich auch von der Kassenärztlichen Vereinigung und der Psychotherapeutenkammer verpflichtet bin. So halte ich mich auf dem neuesten Stand von Diagnostik und Behandlungstechniken und erweitere schrittweise mein Angebot. Es werden dabei von der Kammer und der KV nur hochwertige und wissenschaftliche Fortbildungen anerkannt.
Meine persönliche Arbeitsweise
Integrativer Therapieansatz
Es gibt in Deutschland vier von den Krankenkassen zugelassene Psychotherapieverfahren:
- die Tiefenpsychologie
- die Psychoanalyse
- die Verhaltenstherapie
- die Systemische Therapie.
Wenn Sie genaueres Wissen wollen zu den Unterschieden der Therapieschulen, dann nutzen Sie die Website der Bundespsychotherapeutenkammer „Wege zur Psychotherapie“ (in eine Suchmaschine eingeben: Bundespsychotherapeutenkammer + Wege zur Psychotherapie)
Es gibt noch zahlreiche weitere Therapieverfahren, von denen jedoch viele nicht genügend Nachweise erbringen konnten, dass ihr Angebot mit hoher Wahrscheinlichkeit bei psychischen Störungen wirksam ist. Früher war es so (leider auch manchmal heute), dass es zwischen den vier großen Therapieschulen eine hohe Konkurrenz darüber gab, wer in seinen Vorstellungen recht hat.
Heute ist klar: alle vier Verfahren sind wirksam!
Alle Verfahren der Psychotherapie können stolz auf ihr Wissen über Menschen, Störungen und Therapiemöglichkeiten sein. In bestimmten Fällen gibt es jedoch spezielle Therapieschulen, die eher zu empfehlen sind als Andere (z.B. bei Agoraphobie/Panikstörung die Kognitive Verhaltenstherapie, siehe S-3 Behandlungsleitlinien).
Alle Verfahren haben sich im Laufe der Zeit auch weiterentwickelt. Psychotherapie ist also heute (häufig) nicht mehr das, was sie mal war – während sie früher (und teilweise heute) in scheinbar unvereinbare Lager zersplittert war, arbeiten heutzutage immer mehr PsychotherapeutInnen aller Therapieschulen integrativ – das heißt sie nutzen aus den verschiedenen Therapieschulen das, was hilft und wirkt. Ich bin ein Vertreter dieser Integration – und hoffe, dass zugunsten der PatientInnen immer mehr eine Allgemeine Psychotherapie gebildet wird.
Die sichere und wissenschaftlich fundierte Kognitive Verhaltenstherapie ist und bleibt dabei die Grundlage meiner Arbeit, jedoch integriere ich auch das Wissen und die Weisheit verschiedener anderer psychotherapeutischer Verfahren, wie z.B. der Tiefenpsychologie, der systemischen Psychotherapie oder der existentiellen Psychotherapie, um ein vielfältiges und individuelles Behandlungsangebot zu schaffen.
Ganzheitlicher Therapieansatz
Ganzheitlich meint in diesem Sinne, dass ich darin bestrebt bin, Sie als ganzen Menschen zu verstehen und zu therapieren.
Ich bin der Überzeugung: Gesundheit liegt in der Balance!
Ganz grob könnte man sagen, es gibt:
- „Kopf-Menschen“ oder Denker
- „Herz-Menschen“ oder Fühler
- „Praktiker“ oder Macher
Natürlich ist das eine vereinfachende Betrachtungsweise, die der Komplexität der Individuen lange nicht gerecht wird. So wie es auf der einen Seite Sinn macht, zwischen diesen Aspekten zu unterscheiden – so unsinnig ist es auf der anderen Seite, da im „System Mensch“ Denken, Fühlen, Willensimpulse und der Körper immer in einer Ganzheit zusammenhängen.
Trotzdem sie sich gegenseitig durchdringen, sind nicht immer alle diese Anteile gleich bewusst. Und ihre Bewusstheit schwankt auch je nach Individuum und aktuellem Zustand.
In meiner Diagnostik versuche ich mit Ihnen herauszufinden, wo Ihre Stärken liegen (Ressourcenaktivierung) und welcher Bereich vielleicht von Ihnen noch mehr entdeckt und gefördert werden kann. Manchmal vergessen wir, was für Potentiale in uns oder unserer Umwelt liegen. Diese wieder bewusster wahrzunehmen und einzubinden kann bereits als sehr wohltuend erlebt werden. Manchmal ist dies jedoch nicht ausreichend um aktuelle Probleme zu bewältigen – dann kann ein Training neuer Fertigkeiten notwendig werden – das heißt, dass man die Potentiale in sich entfaltet und entdeckt, die man bisher weniger entfaltet hat als Andere. Zum Beispiel:
- Im Denken: Klarheit, Überblick, Struktur, Ziel, Maß und Differenziertheit
- In emotionalen und sozialen Kompetenzen: Mitgefühl und Verständnis mit sich und Anderen, bedürfnisorientierte Kommunikation, emotionale Erlebnisfähigkeit, Umgang mit Nähe und Distanz, Leidtoleranz, Genuss
- Im Handeln: konkrete Verhaltens- und Gesprächstechniken, Initiative, Gewohnheiten, Disziplin und Frustrationstoleranz
Mein Ziel ist es mit Ihnen herauszufinden, was Sie benötigen, um nachhaltig stabil und gesund zu werden. Denn eine Persönlichkeit, die sich ausgewogen entfaltet, ist anpassungsfähiger an ihre Umwelt und kann vielfältigere Anforderungen bewältigen ohne übermäßigen Stress zu erleben.
Menschlich, wohlwollend und vertraulich
Mir ist wichtig, dass Sie sich mit mir wohl und verstanden fühlen.
Dafür lade ich Sie ein mit mir einen sicheren Rahmen mit Verständnis, Mitgefühl und Geduld zu erschaffen. Einen Menschen richtig zu verstehen ist nicht immer leicht – weder für PatientInnen noch für TherapeutInnen. Daher bin ich jederzeit offen für Ihre Rückmeldung – darüber worin wir gemeinsamer oder auch unterschiedlicher Ansicht sind. Ein ehrlicher Austausch ist meistens das beste Mittel um Fortschritte zu erreichen, sich einig zu werden und miteinander zu lernen. Denn genauso wie PatientInnen von TherapeutInnen lernen können gilt das Umgekehrte. Schließlich sind wir Alle Menschen mit Fähigkeiten und Grenzen.
Weiter will ich Ihnen nicht vorgeben „wie man es macht“ oder „was richtig und falsch ist“. Selbstverständlich respektiere ich Sie als Mensch in Ihrer Freiheit. Viel mehr will ich Ihnen helfen selbst eine Orientierung und einen Weg zu finden, der zu Ihnen passt. Dennoch können Sie sich darauf verlassen, dass ich Ihnen klar und freundlich ehrliche Rückmeldungen gebe.
Ich lege in der Beziehungsgestaltung wert darauf, dass unsere Zusammenarbeit sowohl fachlich-professionell als auch persönlich-menschlich bleibt. Zwar begegnen wir uns in den Rollen von „Therapeut“ und „PatientIn“.
Aber: in allererster Linie begegnen wir uns von Mensch zu Mensch.
Diese Augenhöhe ist mir in meiner ganzen Arbeit von größter Wichtigkeit. Ich lade Sie daher ein, dass wir uns gegenseitig aufeinander einspielen, sodass wir uns miteinander wohl fühlen können.
Balance aus Aspekten der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft
Die Gegenwart ist das Zentrum
Das Leben findet in der Gegenwart statt, und nur dort können wir Leben und Erfüllung erwarten. Für unser Wohlbefinden ist es daher das Wichtigste, dass wir lernen in der Gegenwart mit uns und der Welt zu leben. Egal wie schlecht wir in der Vergangenheit mit uns selbst umgegangen sind oder was wir erlebt haben – wir können hier und jetzt dazu lernen. Das Leben der Gegenwart ist daher in der Therapie stets das Wichtigste.
Jedoch benötigen wir in der Gegenwart Orientierung um Chancen und Grenzen richtig einzuschätzen. Wir können eigentlich immer nur so viel von ihr verstehen, wie wir uns aus der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erobert haben. Außerdem gilt die Weisheit vom Segeln: wer sein Ziel nicht kennt, für den sind alle Winde falsch. Für diese Orientierung können Fragen wie „Wo will ich hin“, „Wo komme ich her“, „Wer bin ich“ und „Was bin ich wert“ durchaus von Bedeutung sein.
Die Vergangenheit ist die Grundlage des Verstehens – denn man muss nachgedacht haben um voraus denken zu können!
Für manche Menschen ist es daher auch wichtig, auf ihre Vergangenheit zu schauen und diese zu ordnen. Sie lernen sich und ihr Leben im Spiegel der Vergangenheit zu verstehen und zu akzeptieren. Irritierende Vorerfahrungen kann man zwar nicht verändern – aber man kann lernen sie in einem anderen Licht zu sehen – ihnen Bedeutung nehmen und geben und sie zu verarbeiten. Für Manche ist die Aufarbeitung belastender oder traumatischer Erlebnisse der Schlüssel zu einer besseren Beziehung zu sich selbst und einem besseren Umgang mit Anderen. Unsere Lebensgeschichte – auch Lerngeschichte genannt – gibt uns außerdem wertvolle Hinweise darauf, die Gegenwart richtig zu verstehen. Sie ist eine Schatzgrube dafür besser zu verstehen wie wir geworden sind, wie wir gelernt haben uns selbst und die Welt wahrzunehmen und was unsere Werte sind – um unsere Gegenwart dann passend dazu umzugestalten.
In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit besteht die Gefahr, dass wir uns in der Opfer-Rolle gefangen halten, uns auf zermürbende Weise endlos mit denselben alten Geschichten plagen und immer wieder neu daran leiden. Vielleicht vermeiden wir es durch eine ständige Beschäftigung mit der Vergangenheit auch, uns selbst oder dem Leben zu begegnen – und Verantwortung zu übernehmen. Man kann die Begegnung mit sich selbst und dem Leben jedoch auch vermeiden indem man die Vergangenheit vermeidet. Oft erleben solche Menschen, dass sie getrieben sind, sich ständig ablenken und in ständiger Betriebsamkeit leben – denn wenn es ruhig um sie herum wird, dann begegnen sie sich selbst und ihren alten Dämonen. Der Preis für dieses wegschauen und weglaufen ist mitunter hoch, da man „seinen Frieden“ noch nicht gemacht hat.
Aber man kann lernen, sich mit der Vergangenheit auf konstruktive und fruchtbare Weise zu beschäftigen. Das Ergebnis einer solchen Arbeit ist: immer mehr erkennen, wie das Leben funktioniert, um sich mit diesen „Vorbildern“ und „Anleitungen“ dann umso inniger auf das Leben der Gegenwart zu konzentrieren – und es zu leben. Beispielsweise macht es durchaus Sinn, sich mit einem verkorksten Erziehungsstil der eigenen prägenden Bezugspersonen intensiv zu befassen – um für sich ein alternatives Modell zu entwickeln. Erst wenn ich eine taugliche Alternative habe, habe ich die nötige Orientierung um es mit mir und Anderen „anders“ oder „besser“ zu machen. Diese neuen Umgangsweisen zu entwickeln ist nicht leicht – die Gefahr besteht, dass wir in andere Extreme pendeln oder die Erlebnisse nicht „vollständig“ verarbeiten – wir ahnen: es fehlt ein Aspekt, der uns keine Ruhe lässt, sodass unser Geist immer wieder in die Vergangenheit wandert, um das „vermisste Teil“ zu finden, unsere Orientierung fürs Leben zu vervollständigen. Das kann – manchmal auch nur mit fremder Hilfe – gelingen! Im besten Fall ist die Vergangenheit dann – am Ende einer vollständigen Verarbeitung – nicht mehr wichtig. Sie muss nicht mehr überbewertet werden – sie muss aber auch nicht verdrängt oder ignoriert werden – sie wird dann ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens, auf den wir freundlich, friedlich, klar und mit Mitgefühl schauen können. Unser „nachdenken“ hat uns in die Gegenwart geführt – wo wir bereit sind den Blick auf das Leben zu richten. Er ist angereichert mit dem, was wir durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gewonnen haben und öffnet uns die Augen für das was da ist – denn dort gibt es meist Vieles, was im positiven Sinn nicht selbstverständlich ist.
Ich berücksichtige die Vergangenheit in meinen Therapien daher nach dem Motto: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Mit dem Blick auf die Zukunft können wir – zwischen dem „Boden der Realität“ und dem „Himmel der Möglichkeiten“ – unsere Chancen und Grenzen bestimmen!
Zu einem guten Wohlbefinden gehört auch, dass wir eine Beziehung zur Zukunft haben Das heißt: persönlich bedeutsame Zukunftsperspektiven zu finden, die uns im Herzen berühren und begeistern. Sie sollten uns das Leben der Gegenwart auf berechtigte und realistische Weise als lohnenswert, lebenswert oder sogar liebenswert erscheinen lassen. Es geht darum, zu wissen, was unsere Werte sind – wofür wir uns erwärmen können – dass wir stimmige Ziele und Pläne daraus ableiten – und im Leben die Gelegenheiten sehen oder schaffen, um sie zu verwirklichen. Diese persönliche Vision muss gar nichts besonderes sein – sie kann in einem „normalen“ Leben bestehen. Dass wir wissen, „wozu“ wir morgens aufstehen, hilft uns dabei uns zu motivieren, Freude zu erleben und auch Frust und Leid zu ertragen. Denn das Leben erscheint dann für uns persönlich sinnvoll und mit Hoffnung auf Erfüllung. Das kann Kraft geben. Wenn wir es schaffen, das für uns persönlich Wesentliche zu bestimmen und darauf zu fokussieren, können wir auch Erfüllung erleben, wenn wenig Ressourcen zur Verfügung stehen oder wenn wir in unseren Freiheiten – sei es finanziell, gesundheitlich oder sonst irgendwie – begrenzt sind. Aber auch die Zukunft können wir zum Anlass nehmen, um der Begegnung mit uns selbst und dem Leben aus dem Weg zu gehen. Wir können uns selbst in der Auseinandersetzung mit der Zukunft auf viele Weisen unglücklich machen:
- Indem wir blendenden, verlockenden, zu kurz gedachten, Menschen- und Realitätsfernen Ideen und Illusionen hinterherlaufen, die in der Wirklichkeit nicht funktionieren können. Wir führen uns dann – wie beim Ikarus-Flug – vom Hochmut zum Fall.
- Wir können uns selbst in der Zukunft nicht sehen – sie sieht schwarz aus, hoffnungslos, es entsteht kein schönes und erfüllendes Bild von uns selbst – wie wir gesund und zufrieden sind, erfüllende Beziehungen und ein gutes Leben haben. Vielleicht ist es auch eine Hilflosigkeit – nicht wissen wie man es macht – die uns blockiert.
- Indem wir der Verlockung erliegen, „besonders“ sein zu wollen oder „besonderes leisten“ zu wollen, verlassen wir schnell den soliden Boden des Mittelmaßes.
- Oder wir befinden uns in ständiger Sorge und Angst, z.B. indem wir durch überhöhte Ansprüche an Sicherheit oder Perfektionismus getrieben.
- Manchmal ist unser Blick auf „das Gute, was da ist“ verstellt durch die eigenen Ideale – unsere Vorstellungen davon, wie es sein soll. Wir sehen das Glück, das vor uns steht, nicht, weil wir etwas Anderem hinterher laufen.
- Oder wir verderben uns durch das „immer weiter“ und ständige Selbst-Optimierung den Genuss des Lebens.
Wenn wir glücklich werden wollen, dann müssen wir meiner Ansicht nach lernen solche Ideen und Visionen zu entwickeln, die sich mit dem Leben, dem Mensch-sein und der Realität der Gegenwart gut vertragen – dann werden wir weniger enttäuscht und finden mehr Erfüllung. Wir können mit unseren Zukunftsvisionen in der Gegenwart dann „landen“, „ankommen“ und sie verwirklichen. Mit wirklich guten Ideen führen wir uns zum Leben der Gegenwart, zu uns selbst und zu guten Beziehungen – wir entrücken uns nicht und entfremden uns nicht und zwingen uns und Anderen nichts auf – sondern unsere Ideen sind ein Ausdruck unserer Freiheit und Herzenswünsche. Wie fügen uns respekt- und achtungsvoll durch unsere Ideen in die Realität und die Gemeinschaft mit den anderen Menschen ein. Gute Zukunftsperspektiven laden uns ein, unser Leben tatkräftig dort anzupacken, wo wir jetzt gerade stehen. Nicht selten sind psychische Störungen eben auch ein Zeichen dafür, dass ein Mensch noch nicht herausgefunden hat, was er mit sich und dem Leben anfangen will. Da ist kein erreichbares Ziel und keine Aufgabe, denen man so viel Bedeutung gibt, dass man sich darauf fokussiert und sein Leben ausrichtet. Menschen wünschen sich Aufgaben – man könnte synonym auch „Probleme“ sagen – um ausreichend gefordert zu werden und ausgelastet zu sein. Zu viele Ziele sind nicht gut für uns – zu wenig aber auch nicht! Findet man keine persönlich bedeutsamen Ziele und Aufgaben oder mangelt es an Dingen wie Selbstvertrauen, Disziplin oder Know-How um sie anzupacken und umzusetzen, dann entsteht ein Vakuum. Was machen wir dann in dieser Leere? Das, was uns dann am nächsten liegt, sind unsere altbekannten Gewohnheiten – das können dann Grübeleien, Angstgedanken/Sorgen oder ständiges Kreisen um Krankheiten und Probleme sein. Sprich: die Gefahr steigt, dass wir uns in den Mechanismen treiben lassen, die uns krank gemacht haben. Wer psychische Störungen nachhaltig überwinden will, der braucht eben häufig eine Orientierung darin was er/sie/es will – sowohl passende Ziele als auch umsetzbare Wege dahin. Eine gute Beziehung zwischen Gegenwart und Zukunft herzustellen ist also gar nicht immer so einfach.
Auch hier gilt das Motto in meinen Therapien: so viel Zukunftsorientierung wie nötig, damit wir im Hier und Jetzt orientiert sind und ein erfülltes Leben leben können.
So versuche ich in meinen Therapien ausbalanciert Aspekte der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu berücksichtigen – je nach dem wie die individuellen Bedürfnisse meiner PatientInnen sind. Wo man am Besten zuerst den Schwerpunkt der Arbeit bestimmt ist sehr unterschiedlich. Manchmal macht es Sinn sich von der Vergangenheit aus voran zu arbeiten (z.B. mit Traumatherapie oder Trauerbewältigung die Blockaden aus dem Weg zu räumen, wegen denen der Bezug zur Gegenwart und Zukunft gestört ist), manchmal reicht es direkt die Gegenwart anzuschauen und zu gestalten – und manchmal beginnt man am Besten damit, zu klären, wozu man das Ganze überhaupt macht. In der Therapie ist es dann ein dynamisches hin und her – bis man seinen Platz zwischen Zukunft und Vergangenheit im Hier und Jetzt gefunden hat.
Effizienz, Nachhaltigkeit und Geduld
Als approbierter Psychotherapeut stehe ich nicht nur in der Pflicht möglichst gut mit meinen PatientInnen umzugehen, sondern habe einen gesellschaftlichen Auftrag. Es ist meine Pflicht, dass ich mit Ihnen effektiv arbeite und Psychotherapie nur im notwendigen Rahmen anbiete. Denn es gibt so viele Menschen die Psychotherapie benötigen und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen der Solidargemeinschaft (Gelder der Krankenkassen) sollte selbstverständlich sein. Das Ziel kann es jedoch aus meiner Sicht nicht sein, möglichst schnell mit der Therapie fertig werden zu wollen und dabei grob wichtige Behandlungsschritte zu vernachlässigen oder unzulässig abzukürzen. Denn es ist weder meinen PatientInnen noch der Gesellschaft geholfen wenn sie bald nach der Therapie wieder psychische Symptome entwickeln. Mein Ziel ist es, die Therapie darauf anzulegen, dass Sie möglichst nachhaltig stabil, gesund und leistungsfähig werden und bleiben. Nach bestem Wissen und Gewissen will ich daher einerseits therapeutische Wege anbieten, die schnell und effektiv zum Ziel führen – und andererseits jedem Menschen für seine Entwicklungsschritte ausreichend Zeit, Geduld und Unterstützung bei ihren Lern- und Entwicklungsschritten entgegen bringen.
Auch haben meine PatientInnen eine Mitwirkungspflicht. Ich stehe in der Verantwortung, Ihnen mein Wissen und Können zu bieten – aber Sie stehen in der Verantwortung mitzudenken und mitzusprechen, Übungen und Aufgaben zur Veränderung umzusetzen und Verantwortung für Ihre Gefühle zu übernehmen.
Eine Garantie für einen Therapieerfolg gibt es nicht. Wenn wir jedoch eine gute Zusammenarbeit erreichen, dann stehen die Chancen gut für eine positive Veränderung. Um unsere Zeit gut zu nutzen werden wir gemeinsam den Verlauf der Therapie immer wieder evaluieren um die Therapie an Sie anzupassen.
Qualitätssicherung und Fortbildung
Selbstverständlich reflektiere ich regelmäßig meine Arbeit und überprüfe den Nutzen für meine PatientInnen. Zum Beispiel in Form von regelmäßigen schriftlichen Therapieevaluationen, bei denen meine PatientInnen und ich uns darüber austauschen, wie es läuft und was wir vielleicht mehr berücksichtigen müssen. Es ist wichtig, sich darüber zu verständigen, wo man sich gegenseitig in der Therapie sieht, um sie anzupassen. Therapie ist kein einseitiger Vorgang, bei dem nur der Therapeut das Steuer in der Hand hält. Ein Therapeut kann seinen PatientInnen gegenüber die Therapie nur dann individuell anpassen und gestalten, wenn die PatientInnen ihnen sagen was sie gut finden und was nicht. Auf diese Rückmeldung sind wir Therapeuten angewiesen. Daher lade ich Sie ein mir stets Feedback zu geben, wie Sie die Therapie erleben, und werde mich auch eigenständig von Zeit zu Zeit erkundigen.
Außerdem gehört es zu dem Berufsstand der Psychotherapeuten ganz selbstverständlich mit dazu, dass wir Supervisionen und Intervisionen besuchen. Das bedeutet, dass wir uns mit anderen KollegInnen und extra dafür ausgebildeten PsychotherapeutInnen über Fragen und Schwierigkeiten der Therapien austauschen – natürlich unter strenger Schweigepflicht. Die Probleme und Menschen, mit denen wir konfrontiert sind, sind so vielfältig und unterschiedlich, dass es ganz normal ist, dass wir uns gegenseitig immer mal wieder beraten müssen. Letztlich ist es auch eine Freude, dass wir Psychotherapeuten uns so stetig weiterentwickeln können. Das hilft nicht nur uns, sondern auch unseren PatientInnen.
Zuletzt besuche ich selbstverständlich regelmäßig qualifizierte Fortbildungen, zu denen ich auch von der Kassenärztlichen Vereinigung und der Psychotherapeutenkammer verpflichtet bin. So halte ich mich auf dem neuesten Stand von Diagnostik und Behandlungstechniken und erweitere schrittweise mein Angebot. Es werden dabei von der Kammer und der KV nur hochwertige und wissenschaftliche Fortbildungen anerkannt.
Wer und was wird behandelt?
In meiner Praxis werden alle üblichen psychischen und psychosomatischen Störungen von Erwachsenen diagnostiziert und behandelt, unter Anderem:
- Depressionen, Bipolare Störung, Burnout/Erschöpfung
- Angststörungen: Soziale Ängste, Panikstörung, Übermäßige Sorgen (Generalisierte Angststörung), Phobien
- Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts-)Störung
- (Komplexe) Posttraumatische Belastungsstörung, Anpassungsstörung und andere Traumafolgestörungen
- Komplizierte Trauer
- Probleme in der Beziehung zu sich selbst und anderen Menschen, Bindungsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen, z.B. Borderline, Narzismus, Selbstunsicher-Vermeidend, Histrionisch, etc.
- Dissoziative Störungen
- Somatoforme Störungen, Schmerzstörungen, Hypochrondrie, Kopfschmerzen, Stressbezogene Störungen von Organsystemen (z.B. Stressdurchfall, Magen-Darm-Beschwerden,…) sowie Psychische- und Verhaltensfaktoren bei körperlichen Erkrankungen
- Schlafstörungen, Alpträume
- Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge-Eating-Störung, Adipositas)
- Zwangsstörung, Tics, Trichotillomanie, Dermatillomanie
- Abhängigkeitsstörungen, Verhaltenssüchte (Glücksspielsucht, Pornografienutzungsstörung,…)
Organisatorisches: Ablauf, Rahmen, Kosten und Kostenträger
Wie bekomme ich einen Platz für ein Erstgespräch?
Rufen Sie mich einfach in meinen Telefonsprechzeiten an:
Wann: Dienstags von 9:00 Uhr bis 10:40 Uhr
Sprechstundentelefon: 015758169372
Telefonisch klären wir kurz einige wichtige Punkte, die mir und Ihnen dabei helfen eine grobe Orientierung zu gewinnen. Sollte ein Platz für ein Erstgespräch verfügbar sein (die Ausnahme) vergebe ich Ihnen direkt einen.
Sollte kein Platz direkt verfügbar sein (die Regel) biete ich Ihnen an, Sie per E-Mail-Verteiler zu informieren, sobald ein Platz frei ist. Diesen können Sie sich dann direkt online über einen Link, den ich Ihnen zusende, buchen (Terminservice-Stelle der Kassenärztlichen Vereinigung).
Eine Überweisung ist übrigens nicht nötig.
Bitte beachten Sie meine Tipps zur Suche nach einem Psychotherapieplatz auf dieser Website! (Siehe: „Suche nach weiteren Informationen“ weiter unten)
Was passiert in einem Erstgespräch bzw. den Sprechstunden?
Alle Krankenkassen zahlen in der Regel bis zu drei Sprechstunden à 50 Minuten (bzw. 6 Sitzungen à 25 Minuten). Das Erstgespräch ist eine dieser Sprechstunden. Dabei passiert Folgendes:
- Anlass der Kontaktaufnahme: Sie berichten mir frei, weswegen Sie sich Unterstützung wünschen – meist geht es um eine aktuelle Lebenssituation oder die Vergangenheit. Ich stelle Ihnen Fragen zum Verständnis.
- Diagnostik: der Schwerpunkt der Sprechstunden liegt in der Diagnostik. Wir sprechen über Ihre Leiden und Symptome. Ergänzend setze ich professionelle Fragebögen ein um die Diagnostik einfacher, umfassender und effektiver zu gestalten. Ich überprüfe dann, ob eine behandlungswürdige Diagnose vorliegt. Dies wäre eine Voraussetzung dafür, dass die Krankenkassen die Kosten für eine Psychotherapie übernehmen. Sollte keine Diagnose erfüllt sein, kann ich Ihnen evtl. Coaching anbieten.
- Aufklärung und Indikationsabklärung: Wenn eine Diagnose erfüllt ist, kläre ich Sie darüber auf und benenne so weit möglich Prognosen, Behandlungs- und Selbsthilfemöglichkeiten
- Rahmenbedingungen: Sie werden informiert über alle wichtigen Abläufe und Rahmenbedingungen – auch über Ihre Rechte und Pflichten als PatientInnen
Was ist die Probatorik?
Vor der Beantragung einer ambulanten Psychotherapie bei den Krankenkassen werden weitere Sitzungen – die probatorischen Sitzungen – genehmigt. Für gesetzlich Versicherte sind dies bis zu 4, für privat Versicherte bis zu 5 Sitzungen. Deren Inhalt ist in der Regel:
- Ergänzende und vertiefende Diagnostik
- Anamnese (Erfassung behandlungsrelevanter Daten, z.B. über die Lebensgeschichte, Krankheitsgeschichte, körperliche Krankheiten oder Lebensumstände)
- Gegenseitiges Kennenlernen – und Entscheidung ob „es passt“
- Erarbeiten von groben Therapiezielen
- Erste therapeutische Interventionen
Bei beidseitigem Eindruck, dass eine Zusammenarbeit möglich und erfolgsversprechend ist, kann gemeinsam ein Antrag auf Psychotherapie bei den Krankenkassen gestellt werden.
Wie beantrage ich eine Psychotherapie?
Über die einzelnen Schritte der Beantragung müssen Sie sich keine Sorgen machen, da ich Sie darüber zu gegebener Zeit aufklären werde.
Die Voraussetzung für die Beantragung einer Psychotherapie ist grundsätzlich das Vorliegen einer behandlungswürdigen psychologischen/psychosomatischen Diagnose, die in den Sprechstunden und den probatorischen Sitzungen überprüft wird.
Gesetzlich Versicherte müssen für die Beantragung Folgendes leisten:
- einen Antrag unterschreiben (PTV1)
- einen Konsiliarbericht von einem Arzt ausgefüllt an den Psychotherapeuten abgeben
Beide Formulare erhalten Sie von mir, sobald wir uns Beide für eine gemeinsame Psychotherapie entschieden haben oder dies wahrscheinlich ist.
Bei Privat Versicherten (auch Beihilfeberechtigten) richtet sich die Antragstellung nach ihrer Krankenversicherung und ihren Vertragsbedingungen, kann also ganz unterschiedlich aussehen. Versicherte sind hier in der Verantwortung, sich selbst über das jeweilige Verfahren zu informieren und Bedingungen zu klären bzw. Anträge zu beschaffen.
Wie viele Sitzungen bekommt man?
Für gesetzlich Versicherte gibt es in der Regel folgende Kontingente:
- Kurzzeittherapie I: 12 Sitzungen
- Kurzzeittherapie II: weitere 12 Sitzungen (insgesamt 24)
- Langzeittherapie: weitere 36 Sitzungen (insgesamt 60)
- Es kann versucht werden, weitere Sitzungen zu erhalten
Bei PrivatpatientInnen richtet sich das bewilligte Kontingent nach deren Verträgen.
Eine Langzeittherapie wird in der Regel nur bewilligt, wenn ein Gutachter dies auf Grund eines von mir verfassten Berichtes bewilligt.
Wartezeiten
Es kann grundsätzlich zu zwei Arten von Wartezeit kommen:
- Wartezeit auf ein Erstgespräch: Häufig ist es wegen mangelnden Kapazitäten nicht direkt möglich ein Erstgespräch zu vereinbaren. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen – es ist leider normal, dass man hier „dran bleiben“ muss. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie irgendwann ein Erstgespräch bekommen.
- Wartezeit auf Therapiebeginn: Zwischen erfolger Diagnostik und Therapiebeginn kann es zu weiteren Wartezeiten kommen. Sie erhalten jedoch am Ende der Diagnostik bei mir eine Aufklärung zu Diagnosen, Behandlungsmöglichkeiten und Selbsthilfeempfehlungen. So haben Sie eine Orientierung wie Sie sich selbst helfen und weiter machen können.
Kosten und Kostenträger
Ich bin zugelassen für alle Kassen – gesetzlich und privat. Diese übernehmen in der Regel (anteilig) die Kosten für eine Behandlung unter der Voraussetzung, dass eine entsprechende Diagnose mit Indikation einer Psychotherapie von mir gestellt werden konnte..
Gesetzlich Versicherte müssen hierzu lediglich ihre Versichertenkarte einmal pro Quartal einlesen – die Kosten werden ganz übernommen.
Honorare für SelbstzahlerInnen und PrivatpatientInnen richten sich dabei an der Gebührenordeung für Ärzte bzw. Psychotherapeuten (GOÄ/GOP) bzw. individuellen Honorarvereinbarungen und belaufen sich je nach Fall zwischen etwa 130 und 150 Euro pro Sitzung (50 Minuten). Hinzu kommen diverse Leistungen, wie z.B. Fragebogentestungen, Berichte oder spezielle Interventionen. Die Privatversicherungen übernehmen die Kosten in der Regel ganz oder teilweise – je nach Vertrag. Die Voraussetzung hierfür ist wie bei gesetzlich Versicherten, dass eine Diagnose mit Indikation für Psychotherapie von mir gestellt werden konnte.
Therapiebausteine
Sie wünschen sich einige Einblicke darin, woran man in einer Psychotherapie arbeiten kann? Oder wie man das tut? Hier gebe ich Ihnen einen Überblick über typische Therapiebausteine und deren psychologische Hintergründe. Dieser ist nicht vollständig. Außerdem hängen viele Therapiebausteine miteinander zusammen und sind nicht ganz klar voneinander zu trennen. Das macht auch Sinn – denn schließlich operieren wir bei jedem Baustein im System „Mensch“, und hier hängt alles zusammen. Es ist aber möglich Schwerpunkte zu setzen. Je nach dem wo ich zum Beispiel eine „Hilflosigkeit“ erlebe kann ich den Therapiefokus mehr richten auf die Entwicklung des Umgangs mit den Gedanken, den Emotionen oder mit dem Handeln. Auf der Grundlage einer ausgiebigen Diagnostik kann ich Sie dazu beraten, welche Therapiebausteine für Sie empfehlenswert erscheinen.
Individuelle Analysen des Lebens und der Person
Individuelle Analysen werden auf unterschiedlichen Ebenen durchgeführt.
Sie können eine Betrachtung der eigenen aktuellen Lebenssituation, der Lebens- bzw. Lerngeschichte sowie problematischer Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster beinhalten. Daraus entwickeln wir ein Arbeitsmodell, mit dem Sie sich selbst mit Ihren Problemen verstehen lernen – ein sogenanntes Störungsmodell. Auf der Grundlage dieses Störungsmodells entwickeln wir einen individuellen Behandlungsplan, den wir dann Schritt für Schritt umsetzen. Die Analysen – die auch als vertiefende Formen der Diagnostik bezeichnet werden können – bilden dabei die Grundlage für ein zielführendes, nachhaltiges Arbeiten.
Siehe hierfür auch die „Hausbrand-Metapher“ unter der Überschrift „Meine Form der Psychotherapie“ bzw. dem Unterpunkt „Umgang sowohl mit den akuten Symptomen als auch mit den Ursachen“.
Grundlegendes notwendiges psychologisches und psychosomatisches Verständnis
Menschen und ihre Probleme sind in der Regel verstehbar. Und Psychotherapie auch. Darin liegt ja das „wissenschaftliche“ – dass es nicht um Geheimnistuerei gehen soll. Daher erarbeite und erkläre ich mit Ihnen das, was Sie brauchen, um Psyche und Körper ausreichend zu verstehen – sowohl was die Probleme angeht (Störungswissen) – als auch wie Sie diese mit hoher Wahrscheinlichkeit verändern können (Veränderungswissen)
Dies kann beinhalten:
- Ein Grundverständnis der Psyche, z.B.: Was ist überhaupt ein Gefühl im Unterschied zu dem Körper, Gedanken oder Handeln? Was können Menschen kontrollieren? Wie entstehen überhaupt Gefühle?
- Ein Grundverständnis psychosomatischer Symptome wie sie bei akutem oder chronischem Stress auftreten können. Beispiele wären: Erschöpfung, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit oder körperliche Symptome ohne ausreichenden körperlichen Befund (z.B. Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Zittern, Herzrasen/-stolpern, nächtliches Zähneknirschen, etc…). Dabei erarbeiten wir gemeinsam biologische und psychologische Faktoren.
- Modelle der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen: z.B. speziell für Depression, Soziale Ängste, Posttraumatische Belastungsstörung, Panik, etc…
- Behandlungsmöglichkeiten
Beziehung zu sich Selbst verbessern
Was heißt es, eine gute Beziehung zu sich selbst zu haben? Es kann Vieles bedeuten – und hat viele Facetten.
Die Beziehung mit sich selbst ist komplex und vielschichtig. Man könne auch sagen: „Selbst-sein will gelernt sein“. Folgende Lernfelder können da in Betracht kommen:
- Sich selbst wichtig nehmen und priorisieren – aber nicht zu sehr! Wir Alle setzen Prioritäten. Wir müssen entscheiden worauf wie die Schwerpunkte unseres Denkens und Handelns setzen und wie viel Raum für uns Selbst wir einräumen. Eigene Bedürfnisse zurück zu stecken und zu funktionieren ist zwar manchmal nötig – aber wer das zu lange betreibt, zahlt nicht selten einen Preis und gerät in ein Ungleichgewicht. Daher: damit wir langfristig gesund und funktionsfähig bleiben ist es notwendig, dass wir uns gut um uns selbst kümmern. Denn wir können auch am Besten für Andere da sein, wenn wir selbst in einem guten Zustand sind. Selbstvernachlässigung ist jedoch nur die Gefahr auf der einen Seite: wer auf der anderen Seite ständig nur um sich kreist, wem es an Interesse und Einsatzbereitschaft für andere Menschen mangelt, der tut sich selbst letztlich auch keinen Gefallen. Der Blick aufs Leben wird so vor zu viel Selbstbezogenheit verbaut. Schließlich wünschen wir uns Alle einen Platz in der Welt, an dem wir wirken können – daher ist es wichtig, dass wir unsere Augen und Herzen öffnen für die Welt und die anderen Menschen. Es gilt also eine Balance zu finden zwischen „Interesse an Anderen“ und „Interesse an dem eigenen Selbst“.
- Achtsamkeit für sich selbst: bemerken wir es, wenn unser Körper und unsere Seele uns Signale sendet? Oder ignorieren wir sie? Können wir die Signale richtig verstehen – was sie uns sagen über unsere Bedürfnisse und Werte?
- Nähe und Empathie mit sich Selbst – das heißt die Beziehung zu sich selbst nicht nur „praktisch“ gestalten und „sich abhandeln“, auch nicht sich selbst „rational-distanziert“ gegenüberstehen, sondern mit emotionaler Anteilnahme – mit Herz – mit im eigenen Leben dabei sein. Diese Empathie ist mitunter schwerer als gedacht – denn in unserem eigenen Herzen sind nicht nur die angenehmen Gefühle, sondern auch all die Facetten, die wir selbst nicht mögen, mit denen wir uns schwer tun und die wir am liebsten vor uns Selbst und vor Anderen verbergen. Das Mitgefühl mit sich selbst kann dabei mehrere Facetten umfassen: zunächst einmal Nähe zu sich selbst herstellen, sich selbst wahrnehmen und bemerken welche seelischen Gefühle aktuell fühlbar sind. Dann geht es natürlich darum zu verstehen, mit welchen Bedürfnissen, Gedanken und Werten diese Gefühle zusammen hängen. Durch das Leben zu gehen ohne auf die eigenen Emotionen zu achten ist in etwa so wie Autofahren ohne auf das Armaturenbrett zu schauen. Das kann eine Weile gut gehen – aber die fehlende Orientierung darin, wie voll der Tank ist, wie heißt der Motor läuft und wie hoch der Drehzahlmesser ist, kann irgendwann dazu führen, dass man „liegen bleibt“. Ebenso wie uns das Armaturenbrett am Auto ermöglicht, bewusst und planvoll unsere Fahrten zu planen und flexibel auf Situationen zu reagieren, ermöglichen unsere Gefühle – wenn wir sie richtig verstehen – einen achtsamen Umgang mit uns selbst, sodass wir „gut durchkommen“.
- Im Dialog mit sich Selbst sein – das heißt, dass wir den Lebensthemen, die uns bewegen, Raum geben, sie da sein lassen, darüber nachdenken und nachfühlen. Unsere Lebensfragen und inneren Konflikte bekommen so eine Chance auf Klärung. Unser Weltbild und Selbstbild – und damit unsere Wünsche, Ziele und Pläne – können so langsam reifen. Und so leben wir uns mehr und mehr „in uns selbst und die Welt“ ein. Dadurch können wir uns immer besser vor unnötigem Unglück bewahren und zu Ausgewogenheit und Zufriedenheit führen. Wir können ein Bewusstsein darüber erlangen, was uns wirklich wichtig ist und unser Leben danach ausrichten.
- Selbstbewusstsein und Selbstliebe erlangen – dabei bestehen wir Menschen aus so einer unendlichen Fülle an Persönlichkeitsfacetten. Nicht alle davon sind uns bewusst. Im Laufe des Lebens lernen wir wir uns schrittweise kennen. Von manchen Anteilen unserer Person wollen wir gar nichts wissen – sie passen nicht zu unseren Vorstellungen davon, wie wir glauben dass wir sein sollten. Dabei ist es genau das, was einen Menschen ausmacht: die Vielfalt und unendlichen Möglichkeiten, in denen wir uns ausdrücken können. Und so stehen wir immer wieder vor der Frage, wie wir mit unseren Facetten umgehen wollen – ob wir lernen wollen ihnen Raum zu geben, sie kennen zu lernen, zu kultivieren, einzusetzen und sie auch lieben lernen. Denn keine Persönlichkeitsfacette ist nur schlecht – alles Schlechte hat sein Gutes und umgekehrt. Unser Blickwinkel entscheidet darüber, wie gut wir uns im Ganzen oder im Speziellen annehmen können. Je mehr wir uns mit uns selbst anfreunden, desto mehr Frieden, Akzeptanz und Freundlichkeit erleben wir mit anderen Menschen. Denn was wir an Anderen ablehnen oder ersehnen, das hat häufig mit uns selbst zu tun.
Eine gute Beziehung zu sich selbst ist dabei eine sehr förderliche und auch teilweise notwendige Voraussetzungen für eine Reihe anderer Entwicklungen. Zum Beispiel: um herauszufinden wer ich bin und was ich in diesem Leben will. Dazu gehören die Bewusstwerdung eigener Interessen, Vorliebe, Werte und Ziele. Auch zu „selbstsicherem Auftreten“ – bzw. der Entwicklung eines eigenen Stils im Sprechen und Verhalten – ist eine ausreichend gute Beziehung zu sich selbst aus meiner Sicht hilfreich und bis zu einem gewissen Grad nötig.
Einige Menschen vermeiden eine Auseinandersetzung mit sich selbst – sie sind in Gedanken ständig bei Anderen oder bei ihrer Arbeit, da es für sie unangenehm ist sich selbst nah zu kommen. Oder sie setzen sich scheinbar ganz viel mit sich selbst auseinander, denken und tun ganz viel – wenn man genauer hinschaut stellt sich jedoch heraus, dass sie ihre Kraft und Zeit auf eine sehr ineffiziente Art und Weise einsetzen, sich gerade zu dabei verausgaben – weil sie die entscheidenden Stellschrauben nicht kennen oder kennen wollen. Das ist oft anstrengend. Das innere Getrieben-sein – der Mangel daran mit ganzem Bewusstsein am eigenen Leben Anteil zu nehmen – dämpft nicht nur die Wahrnehmung der unangenehmen Gefühle, sondern auch der Angenehmen.
Aber es lohnt sich diese Beziehung mit sich aufzubauen: wie unglaublich wohl kann man sich fühlen und wie viel Stabilität kann man angesichts schwieriger Umstände erleben wenn man bei sich selbst „aufräumt“ und mit sich im Reinen ist! Auf keine andere Beziehung im Leben haben wir so viel Einfluss und Kontrolle wie auf diese Eine mit uns selbst – und zu Keiner haben wir so wenig Distanz, sodass es schwer ist, sie bewusst zu gestalten. Wir können lernen Nähe zu uns selbst aufzubauen, aber genauso Distanz zu uns zu gewinnen, um frei zu sein – uns selbst wie aus der Sichtweise eines anderen Menschen zu sehen. Erst wenn wir uns selbst nah sind, können wir „wissen was los ist“ – und erst wenn wir Distanz zu uns gewonnen haben können wir uns klar beurteilen und einordnen. Wer mit sich eine Freundschaft führt „in Guten wie in Schlechten Zeiten“, der ist in keiner Krise „von allen guten Geistern verlassen“ sondern lebt in einer treuen Freundschaft, die trägt.
Dabei ist diese gute Beziehung mit sich selbst ein Ideal, dem man – je nach dem wie die Ressourcen und Umstände gerade sind – mal mehr, mal weniger gerecht werden kann. Sie ist stetig im Wandel und kann einen immer wieder vor neue Lernherausforderungen stellen. Jeder steht auf seiner Entwicklung hier an einem ganz individuellen Punkt.
Möchten Sie auf Entdeckungsreise gehen, Ihre Beziehung mit sich selbst erkunden, erproben und weiter entwickeln? Ich begleite Sie gerne mit einem vielfältigen Arsenal an Möglichkeiten. Mögliche Therapiebausteine sind hier z.B. die Kognitive Umstrukturierung bei Selbstwertproblemen, schematherapeutische Dialoge oder Imaginative Arbeit (z.B. Innere Kind-Arbeit nach Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy).
Das Leben aktiv und ausgewogen gestalten - Für mehr Gelassenheit und Wohlbefinden
Unser Lebenswandel – wie wir schlafen, arbeiten, uns bewegen, essen, Hobbys und Sozialkontakte pflegen – ist sehr entscheidend für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden.
Daher lohnt sich oft ein Blick auf unsere Lebensgewohnheiten. Auf Basis der vorhergehenden Analysen, evtl. auch Selbstbeobachtungs- und Symptomtagebüchern, prüfen wir Ihren aktuellen Lebensstil auf Ressourcen und Unausgewogenheiten. Wie gestalten Sie Ihren Alltag? Wovon gibt es genug, wovon zu wenig, wovon zu viel? Aus diesen Erkenntnissen entwickeln wir einen Aktionsplan für mehr Gelassenheit (Regeneratives Stressmanagement) und eine gute Stimmung!
Dies tun wir mit verschiedenen Strategien. Bedürfnisse und Ziele – sowie erfolgsversprechende Strategien zum Erfolg – können geklärt werden. Was zu Viel ist, soll nach Möglichkeit begrenzt werden. Wovon es zu wenig gibt, soll gefördert werden. Häufig gibt es ungenutzte Ressourcen, die aktiviert werden können. Vielleicht wird es nötig sein, dass Sie Ihr Verhaltensrepertoire erweitern um z.B. Entspannung, spaßige Hobbys oder Soziale Beziehungen zu finden. Vielleicht wird es für Sie nötig, dass Sie erst lernen, ihre Beziehung zu sich selbst zu verbessern – damit Sie für sich herausfinden können, worin Sie Erfüllung finden. Oft liegt die Meisterschaft in der Begrenzung – sodass Sie lernen Prioritäten zu setzen und Ihre Aktivitäten aufs Wesentliche verdichten. Letztlich soll Ihr Lebensplan ja individuell zu Ihnen passen und umsetzbar sein.
Praktisch heißt das zu überprüfen:
- Erlebe ich eine stimmige Auslastung, setze realistische und persönlich bedeutsame (Leistungs-)Ziele und setze diese mit Maß (z.B. mit Rücksicht auf meine Grenzen und Bedürfnisse) um?
- Fördere ich Erholung und kann körperliche Entspannung genießen?
- Erfreue ich mich an einem aktiven und erfüllenden Freizeitleben mit sozialen Kontakten und Hobbys?
- Gibt es in meinem Leben genug Leichtigkeit, Genuss und Unanstrengendes?
- Habe ich eine passende Mischung aus Regelmäßigkeit – aber auch aus Abwechselung und Spontanität?
- Passt mein Lebenskonzept auch zu meinen Werten und Zielen?
Natürlich kann man im Leben nicht immer alles haben – und perfekt werden wir nie. Aber nicht selten schleichen sich einseitige Lebensgewohnheiten und eine gewisse Betriebsblindheit ein, die uns nicht gut tun. Dann heißt es: Möglichkeiten und Grenzen der Lebensgestaltung neu ausloten! Nicht selten entdecken wir so neue Wege zu einem erfüllteren Leben.
Letztlich kommt jedoch nicht nur auf die Planung, sondern auf die Umsetzung an! Gerne kann ich Sie auch dabei begleiten – zum Beispiel durch regelmäßige gemeinsame Evaluationen des Planes und seiner Umsetzung. So bleibt Ihre Lebensplanung lebendig und Ihren Bedürfnissen möglichst angemessen.
Andere Therapiebausteine können als ergänzende und unterstützende Maßnahmen angewendet werden – z.B. das Finden einer hilfreichen mentalen Einstellung oder Techniken zur Motivation. Der Plan soll ja möglichst wenig zusätzliche Belastung werden – sondern Ihnen Perspektive, Hilfe und Orientierung dabei geben, zu Lebensgewohnheiten zu finden, mit denen Sie sich wohl fühlen und die Gesundheit fördern.
Neue Sichtweisen entwickeln - Kognitive Therapie
Unsere Sichtweise und Einstellung auf das Leben und und Selbst ist ein entscheidender Faktor für unser Wohlbefinden.
Es macht einen Unterschied wie man denkt und mit welchen Gedanken man das Leben wahrnimmt. Das Leben besteht aus tausenden Puzzelstücken. Zwischen Schwarz und Weiß wird es da sehr kompliziert. Oft hat ein Schlechtes etwas Gutes und umgekehrt. Aber wie setzten wir all die Puzzelstücke des Lebens in unserem Geist zusammen? Sind wir überhaupt in der Lage das Leben klar zu beobachten und es als das zu erkennen was es ist? Oder verdrehen wir Tatsachen? Vergessen Ausschnitte der Wirklichkeit? Welchen Puzzelstücken gibt man besonders viel Beachtung und Bedeutung – und welchen vergisst man in seiner Lebensbilanz zu berücksichtigen? So können wir uns gute oder schlechte Gefühle machen, je nach dem, wie wir die Mosaike zu einem Gesamtbild zusammensetzen, das heißt welche Erfahrungen wir dafür berücksichtigen und welche Schlüsse wir aus ihnen ziehen. Denn aus dem selben Erlebnis können verschiedene Menschen ja verschiedene Schlüsse ziehen! Es sind nicht immer nur die äußeren Gegebenheiten oder die Vergangenheit, die dafür sorgen dass wir uns „so oder so“ fühlen, sondern vor Allem das Licht, in dem wir sie beleuchten – das sind unsere Gedanken! So können wir unseren „Stress“ mit dem Leben unbeabsichtigt verstärken oder auch vermindern. Und: wir können lernen, neue Möglichkeiten im Leben zu entdecken und zu nutzen, in Schwierigkeiten eben auch die Chancen zu sehen.
Auch ist es ein Irrtum zu glauben, dass Menschen nur „Stress“ erleben im Zusammenhang mit äußeren Faktoren. Alles, was wir Menschen brauchen, um Stress zu erleben, ist – unser eigener Kopf!
Die Gründe für seelisches Leid und Stress können also in ungünstigen Einstellungen liegen mit denen wir uns und dem Leben begegnen. Perfektionismus, Leistungsdruck, immer „stark-sein-wollen“, bei Allen beliebt sein wollen, ständiges Misstrauen, zu gut sein wollen, Minderwertigkeitserleben, Pochen auf Gerechtigkeit und Rechthaberei…und viele andere Muster. Dass wir die Welt so wahrnehmen wie sie eben wahrnehmen hat in der Regel gute Gründe, die in unserer Lebens- bzw. Lerngeschichte liegen. Daraus folgen drei Therapie-Schritte.
- Bewusstmachung: Mit verschiedenen Analyse-Techniken (z.B. Biografie-Betrachtungen oder der SAE-Analysen nach Stavemann) können wir uns problemverstärkende Denk- und Wahrnehmungsweisen zunächst bewusst machen. Gar nicht so einfach das richtig zu machen – aber wenn man weiß wie, dann geht es meist ganz gut!
- Prüfung und Entwicklung von Alternativen: Aber selbst wenn man seine problematischen Muster kennt heißt das noch nicht, dass wir über glaubhafte und nützliche Alternativen verfügen. Was nützt es, wenn wir versuchen uns etwas einzureden, was wir selbst nicht wirklich glauben können? Nach der Bewusstmachung entwickeln wir deswegen in der Therapie mit Hilfe von speziellen Vorgehensweisen – z.B. dem Sokratischen Dialog, Imaginationstechniken oder Verhaltensexperimenten – gemeinsam neue Perspektiven auf das eigene Selbst und das Leben. Die alten Sichtweisen werden ganz ehrlich – nach bestem Wissen und Gewissen – theoretisch und praktisch geprüft. So entstehen oft neue Sichtweisen auf sich und die Welt, mit denen wir uns viel wohler fühlen können. Dabei ist es nicht nötig, sich selbst etwas vorzumachen oder schön zu reden. Denn: sich etwas einreden, ohne dass man es selbst glauben kann, bleibt in der Regel oberflächlich und hilft nicht dabei sich besser zu fühlen. Ich leite Sie dabei nicht dazu an, meine Gedanken und Einstellungen zu übernehmen, sondern helfe Ihnen eigene Denk- und Wahrnehmungsmuster zu erkennen, zu hinterfragen und selbst Lösungen zu finden. Emotional wirksam wird dabei nur, was wir wirklich glauben können und wollen.
- Übung: Selbst wenn man nun glaubhafte Alternativen hat – sind einem diese ja immer noch nicht in „Fleisch und Blut“ übergegangen. Es wird also nötig, durch Übung zu lernen, das Leben „in neuem Licht“ zu beleuchten um neue Wahrnehmungsgewohnheiten zu bilden.
Entgegen dem Vorurteil, dass die Kognitiven Verhaltenstherapeuten mit emotionale Probleme mit Kognitiver Therapie „nur“ übertünchen und wegrationalisieren besteht mein Anspruch viel mehr darin, dass „Kopf und Herz“ wieder miteinander in einen guten Dialog kommen. Natürlich werden daher Emotionen und Beziehungen dabei berücksichtigt. Für die Übertragung der Erkenntnisse auf das Leben der Gegenwart und Vergangenheit gibt es daher spezielle Vorgehensweisen. Die sogenannte Kognitive Umstrukturierung ist dabei der Königsweg, um zum Beispiel Selbstwertproblemen und Selbstzweifeln wirksam zu begegnen und Denkmuster nachhaltig zu verändern. Dies wurde in zahlreichen Studien gut belegt. Aber auch Methoden wie Innere Kindarbeit nach Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy können hilfreich dabei sein, um unsere (gedanklich-emotionale) Beziehung zu uns und Anderen bewusst zu machen und zu klären.
Mit diesem Therapiebaustein können Selbstwert- und Schuldprobleme, Perfektionismus, Beziehungsprobleme, Sinnfragen und viele weitere emotionale „Troublemaker“ geklärt und bearbeitet werden. Diese Form des Mentalen Stress- und Emotionsmanagement kann dabei helfen, Gelassener zu werden, mehr Chancen im Leben zu sehen und Schwierigkeiten als machbare Herausforderungen wahrzunehmen.
Klärung eigener Werte, Bedürfnisse, Ziele und Identität
Erfüllung wollen wir Alle im Leben finden – aber wie sieht diese aus? Woher weiß ich was ich will? Wenn ich nicht weiß, was meine Wünsche und Sehnsüchte sind – und wie ich sie im Leben erkennen kann – wie soll ich sie dann finden? Es könnte sein, dass ich direkt vor meinem Lebensglück stehe und es nicht erkenne – weil ich Unwissend darüber bin was ich eigentlich will oder falsche Vorstellungen davon habe.
Daher ist dies ein wichtiger Schritt in Richtung Gesundheit und Erfüllung: herausfinden Wozu ich überhaupt die Anstrengungen und Herausforderungen des Lebens auf mich nehmen will. Viktor Frankl prägte die Idee: Wer ein „Wozu“ im Leben hat, der erträgt fast jedes „Wie“. Wenn wir eine Vision davon haben, was wir wirklich wollen, dann kann uns das Motivation und Kraft geben um uns anzustrengen und Schwierigkeiten zu bewältigen.
Dabei sollten eigene Werte, Moralvorstellungen, Erwartungen und Ziele möglichst stimmig, persönlich bedeutsam und miteinander vereinbar sein. Weiter ist es wichtig dass unsere Erwartungen realistisch und flexibel sind. Sie müssen der Komplexität der Welt gerecht werden um zu funktionieren – da die Welt in vielen Punkten kompliziert ist, ist das gar nicht so einfach! Und zuletzt: unsere bewussten Ziele und Absichten sollten vereinbar mit unseren oft unbewussten Bedürfnissen stehen. In der Fachsprache sagt man auch: implizite und explizite Motive stimmen überein. Anders gesagt: „Kopf, Herz und Bauch“ sind in einem guten Dialog miteinander.
Wenn Menschen falsche oder einseitige Vorstellungen vom und Erwartungen ans Leben haben, dann erleben sie häufiger Enttäuschungen als es sein müsste. Irgendwann werden sie so vielleicht immer mehr entmutigt, ärgerlich, resigniert, ängstlich oder misstrauisch. Die Welt und die Menschen kommen ihnen schlecht vor – und manchmal sind sie ja vielleicht auch schlecht! Aber: nicht selten schmieden wir zusätzlich unser eigenes Unglück durch unsere falschen Vorstellungen und Erwartungen! Enttäuschung heißt ja, dass ich mich in etwas getäuscht habe. Selbstverantwortung und Bereitschaft zum Lernen sind hier große Heilmittel: denn wenn ich lerne die Welt und die Menschen umfassend genug zu verstehen und die „richtigen Erwartungen“ finde – dann erlebe ich sehr wahrscheinlich weniger Enttäuschungen und sehe mehr Möglichkeiten der Erfüllung! Die Welt und die Menschen können mir dann wieder relativ gut vorkommen. Das Weltbild wird nicht mehr Schwarz-Weiß – sondern gewinnt Graustufen – das heißt innere Differenziertheit. Und ich finde meinen Platz darin. Man könnte auch sagen: wer die Spielregeln des Lebens verstanden hat, der kann mit mehr Freude an dem Spiel teilnehmen. Verlieren wird man sicherlich immer noch immer mal wieder- aber man sieht dann zum Ausgleich meist genug Möglichkeiten, sich selbst zu helfen und neue Möglichkeiten der Erfüllung zu entdecken.
Das hört sich kompliziert an – und ist es oft genug auch. Grenzen und Möglichkeiten zu erkennen, Ziele und Erwartungen zu setzen, das will gelernt sein! Letztlich ist es eine lebenslange Lernaufgabe. Und deswegen gut, wenn man sich mit Menschen verbündet, die dabei helfen die Welt zu verstehen, aus Enttäuschungen die richtigen Schlüsse zu ziehen und hilfreiche Erwartungen an sich und Andere zu entwickeln.
Klären was ein Mensch will und erwartet ist für viele psychotherapeutische Behandlungen wichtig – z.B. bei Depression und Ängsten. Gerade für ambivalente bzw. „zerrissene“ Menschen ist es hilfreich herauszufinden, was die verschiedenen Seiten der eigenen Persönlichkeit wünschen und brauchen – um dann gute Kompromisse zu finden, mit denen man sich wohl fühlen und nach denen man sich verhalten kann.
Es ist klar: wer zu wenig im Leben will, dem fehlt etwas (Verstärkermangel). Wer zu viel im Leben will, der überfordert sich. Wer unerreichbare oder widersprüchliche Dinge im Leben will, der gerät unter Spannung. Diese Konstellationen können psychische Störungen begünstigen. Ziel und Maß zu finden ist eine Aufgabe, in die man hineinwachsen kann.
Aber: herauszufinden was man will und was die eigenen Werte sind hat Voraussetzungen! Denn: man braucht dafür eine ausreichend gute Beziehung zu sich Selbst. Es sind keine ganz rationalen Abwägungen die dazu führen – Menschen sind keine Maschinen. Man muss dafür in ausreichendem Umfang ein Bewusstsein herstellen können von: eigenen Emotionen, Vorlieben, Bedürfnissen, Persönlichkeitsfacetten, Vorerfahrungen, etc. Und auch eine entsprechende „Kommunikation mit sich Selbst“ ist entscheidend dabei mit sich selbst auszuhandeln, wie man Werte und Prioritäten setzen und daraus Ziele und Pläne ableiten will. Diese Beziehung zu sich selbst will gelernt sein. Ein aktiver Umgang mit der eigenen Lebensgeschichte kann dabei zur Orientierung hilfreich sein. Oft gibt es seelische Konflikte oder einen Mangel an Orientierung, der dabei stört in der richtigen Weise „zu Selbstbewusstsein“ zu kommen. Selbstwertprobleme, Hilflosigkeit/Ohnmachtserleben, mangelnde innere Vorbilder für Emotionsregulation (Sich selbst beruhigen, trösten, motivieren), Traumata, Vernachlässigung und viele weitere Gründe können es schwer machen. So kann die Lernaufgabe, sich selbst freundschaftlich und unterstützend zu begegnen, ein wichtiger Zwischenschritt sein auf dem Weg zu einer Lebensvision, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Erfolg und Erfüllung führt.
Für die meisten Menschen sind diese Entwicklungsschritte möglich und lohnenswert. Für die Einen ist der Weg dahin kürzer, für Andere länger. Mit professioneller Hilfe können solche Entwicklungen gezielt gefördert werden.
In der Therapie spielen daher die Themen „Wer bin ich“, „Was sind meine Werte“ und „Was will/erwarte ich“ mal mehr, mal weniger eine Rolle – sie werden mal „nebenher“ mitbearbeitet oder auch mal fokussiert ins Auge gefasst. Dafür gibt es ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten. Zum Beispiel gedanklichen Reflektionen, Emotionsanalysen, Verhaltensexperimente, Biografie-Arbeit, Imaginationen (Innere-Kind-Arbeit, Zukunftsprojektionen, Gedankenexperimente), Sokratische Dialoge, etc. Viele Wege können zu einer Klärung von persönlichen Werten, Vorstellungen, Erwartungen, Zielen und Identität führen.
Umgang mit Gefühlen - lernen Sie, sich selbst zu motivieren, zu trösten und zu beruhigen!
Entwicklungsaufgabe: Emotionsregulation
Gefühle sind grundlegend für uns Menschen – der Umgang mit ihnen ist häufig schwer genug. Denn sowohl angenehme als auch unangenehme Gefühle müssen reguliert werden. Beides kann für uns schwer sein. Dabei gibt es viel zu lernen, z.B.:
- Herausfinden, wie man im Leben Freude und Erfüllung erleben kann. Manche Menschen müssen lernen sich Freude oder eine gute Meinung über sich selbst auch zu erlauben – ohne dafür erst zu schuften oder sich zu verbiegen.
- Angenehme Gefühle können sehr zerstörerisch sein – Glücksspielsucht, Suchtmittelabhängigkeit, Sexsucht, impulsives Essen oder Kaufen, die Suche nach Kicks durch riskantes Fahrverhalten, Schadenfreude und Manie sind ernsthafte Bedrohungen, welche Gesundheit und die finanzielle Existenz bedrohen können. Impulsregulation und Emotionsregulation hängen hier ganz eng zusammen.
- Frustrationstoleranz – das heißt zugunsten von langfristigen Zielen auf kurzfristige Belohnungen verzichten zu können – ist eine grundlegende Voraussetzung zu Erfolg im Leben. Sie zu erlernen heißt: mit Gefühlen umgehen lernen.
- Die Bewältigung unangenehmer Gefühle – wie z.B. Trauer, Scham, Ärger oder Angst – können uns das Leben schwer machen. Wer aber weiß wie diese Gefühle entstehen und wie man sie bewältigen kann? Viele Menschen erleben sich damit hilflos. Die meisten Menschen können sehr wohl lernen, sich selbst zu trösten, zu beruhigen und zu motivieren. Dafür gibt es in den verschiedenen Psychotherapien verschiedene Ansätze und Strategien.
Das Herzstück jeder Psychotherapie ist es, sich weniger schlecht und/oder mehr erfüllt zu erleben.
Mittlerweile weiß man, dass ein wesentlicher Wirkfaktor von Psychotherapie auch die „Problemaktualisierung“ ist (siehe Grawe). Das heißt, dass Psychotherapie vor Allem dann wirkt, wenn zu den jeweiligen Lebensbereichen die Gefühle aktiviert sind.
Manche Menschen können auch gar nicht klar unterscheiden, was im psychologischen Sinn überhaupt ein Gefühl ist – und wie es sich von körperlichen oder gedanklichen Erlebnissen unterscheidet. Es kann ihnen dann so vorkommen, als könnten sie eigene Gefühle wahrnehmen und äußern – obwohl es nicht unbedingt so ist. Auf die Frage „Wie fühlst Du dich?“ antworten sie z.B. mit „entspannt“, „unruhig“, „nervös“ – und beschreiben damit vor Allem Körperzustände. Oder sie antworten mit „gut“, „normal“, „wie immer“ – und äußern damit Bewertungen. Die wirklichen seelischen Gefühle werden jedoch nicht unbedingt bewusst wahrgenommen und geäußert – was zu einer emotional oberflächlicheren, distanzierteren Beziehung mit sich selbst und Anderen führen kann. Dabei kann es sehr hilfreich sein, seine Gefühle bewusst wahrnehmen und äußern zu können, denn sie erfüllen viele Funktionen, von denen ich im Folgenden einige Beschreiben will.
Funktion von Emotionen: Anzeiger für eigene Bedürfnisse, Sichtweisen und Werte
Gefühle sind dabei für uns Menschen kein unnötiges oder nettes Beiwerk – sie erfüllen zahlreiche (lebens-) wichtige Funktionen. Ähnlich wie körperliche Gefühle und Reaktionen (Hunger, Durst, Schmerz) zeigen sie uns etwas über unsere:
- Bedürfnisse: z.B. merkt man beim Griff auf die Herdplatte“Schmerzhaft heiß“ und lernt daraus: „Vorsicht Verbrennungsgefahr – schütze dich!“. Die aus dieser Lernerfahrung entstehende Angst schützt das Grundbedürfnis nach körperlicher Sicherheit und Unversehrtheit.
- Sichtweisen und Werte: z.B. wenn ein Kollege etwas zweideutiges sagt und dabei lächelt könnte man denken: „Kann es sein, dass mein Kollege sich gerade über mich lustig gemacht hat?“. Aus dem Gedanken: „Pass auf, lass dich nicht verarschen, sonst wirst Du lächerlich gemacht und stehst dumm da!“ könnte eine Angst entstehen, welche die soziale Stellung und den Selbstwert schützen will. Nun ist weiter denkbar, dass der Kollege in Wirklichkeit gar keinen Witz gemacht hat – dann wäre mein Bedürfnis also gar nicht bedroht – und mein Gefühl gibt mir einen Hinweis auf eine (unbewusste) Denkweisen und Werte.
Wer in der Lage ist Gefühle zu „lesen“ und zu verstehen, was sie uns sagen, der kann sich selbst besser dabei helfen, unnötiges Leid zu vermeiden, Schmerz zu lindern und mehr Erfüllung im Leben zu erleben.
Lernen von Emotionsregulation:
Aber: wie lernen wir unsere Gefühle zu regulieren? Wenn wir Glück haben, dienen uns unsere wichtigsten Bezugspersonen in Kindheit und Jugend als Vorbilder. Beispielsweise indem sie sich selbst offen darin zeigen, wie sie über sich und die Welt denken und fühlen, indem sie offen vormachen wie man maßvoll Stärken zeigt oder mit Schwächen umgeht, wie man sich freut und trauert, Zuneigung zeigt oder Grenzen setzt. Die Plätze an der Sonne sind jedoch im Leben leider zunächst begrenzt – wir müssen mit dem umgehen was wir bekommen. Erst später im Leben gewinnen wir so viel Bewegungsfreiheit, dass wir uns aussuchen können, von welchen Menschen wir lernen wollen. Oft genug können uns unsere Bezugspersonen auch nicht zeigen über die Tröstung von Trauer, die Beruhigung von Angst oder die Motivierung zu Leistungen. Vielleicht meinen sie es sogar gut – wollen uns ihre besten Werte und Lebensstrategien mitgeben – aber auf Grund einer Einseitigkeit kommt es dann doch zu einem Ungleichgewicht. Dann sind wir orientierungslos oder einseitig orientiert. Teilweise legen uns Bezugspersonen sogar Steine in den Weg. Die Vernachlässigung, die wir früher erlebt haben, führen wir häufig als Erwachsene unbewusst fort – und vernachlässigen uns auch auf emotionaler Ebene. Auch wenn wir übermäßige Kritik, Abwertung, unverhältnismäßie Strafen oder Übergriffe erlebt haben müssen wir die inneren „Negativ-Vorbilder“ überwinden und lernen wie wir „richtig“ mit uns umgehen. Das ist nicht einfach und erfordert oft viel Anstrengung. Alleine kommt man dabei häufig nicht gut voran. Ebenso wenig, wie „normale“ Menschen wissen, wie man einen Herzinfarkt operiert oder ein Auto repariert, wissen die meisten Menschen nicht, wie man ein Selbstwertproblem überwindet. Merkwürdigerweise erwarten viele Menschen aber von sich, dass sie doch psychische Probleme „alleine in den Griff“ kriegen sollten, obwohl sie das bei einem Herzinfarkt oder Motorschaden nicht tun würden. Das macht eigentlich keinen Sinn. Denn hier ist Experten-Wissen gefragt.
Dies ist der besondere Schatz der PsychotherapeutInnen – dass sie Menschen dabei helfen (können sollten) mit Gefühlen umzugehen.
Obwohl es grundsätzlich für die meisten Menschen möglich ist, Gefühlsregulation zu lernen, ist der Weg für die Einen länger als für Andere. Je nach dem mit welchen Voraussetzungen man startet.
Gefühle zu erleben – oder auch nicht zu erleben – ist ein Lernprozess
Gefühle zu erleben ist eigentlich das Natürlichste der Welt – Kinder fühlen diese und drücken sie einfach unbedacht aus. Aber obwohl es natürlich ist, Gefühle zu erleben, ist es nicht selbstverständlich, dass man ein Bewusstsein von ihnen erlangt. Ähnlich wie Kinder so abgelenkt sein können von Spielen oder äußeren Reizen, dass sie gar nicht merken wenn ihnen zu kalt wird oder sie etwas trinken müssen, brauchen Kinder und Jugendliche Unterstützung von Erwachsenen, um auch auf ihre Emotionen achten zu lernen. Hierfür ist in der Regel aktives Interesse, Zeit, Geduld und viele Gespräche erforderlich. Sie brauchen einen „Spiegel“, der ihnen dabei hilft sich selbst wahrzunehmen, zu entdecken und zu verstehen. Viele Menschen erlebten sich jedoch von ihren Bezugspersonen nicht gespiegelt – oder die Erwachsenen gaben lediglich einen „Zerrspiegel“ – das heißt sie verstanden die Gefühle und das Verhalten der Kinder und Jugendlichen nicht, verstanden es vielleicht sogar falsch oder reagierten mit unpassendem Verhalten. Dann lernen Kinder und Jugendliche, dass es sich nicht lohnt sich mit eigenen Gefühlen zu beschäftigen – dass es vielleicht sogar gefährlich ist sie zu zeigen (Unverständnis, dann doch damit alleine und hilflos sein, Demütigung oder Strafen!).
Erst im Laufe des Lebens lernen wir, Gefühle nicht direkt zu zeigen oder sie sogar durch selektive Aufmerksamkeit so auszublenden, dass wir sie selbst nicht mehr wahrnehmen können. Das ist zum Teil auch wichtig und ein wichtiger Lernschritt, denn manchmal brauchen wir Disziplin und Willenskraft, die uns dabei hilft zu funktionieren und zu arbeiten auch wenn es sich nicht gut anfühlt. Manche Menschen haben sich jedoch so sehr darauf trainiert, ihr emotionales Erleben zu vermeiden, dass es ihnen vorkommt, dass sie gar keine Gefühle mehr oder nur bestimmte Gefühle fühlen – sie erleben sich „rational“ oder „leer“, die Freude die sie fühlen erreicht nicht mehr die Lebendigkeit und Tiefe, nach der sie sich sehnen. Andere Menschen wiederum erleben so starke Emotionen, dass sie sich kaum beherrschen können und schädigendes Verhalten zeigen um sie nicht mehr spüren zu müssen. Auch erleben viele Menschen Ambivalenzen – das heißt verschiedene Gefühle, die in verschiedene Richtung gehen, was man als innere Zerrissenheit erleben kann.
Dabei ist es für die Meisten lernbar, das eigene Bewusstsein darauf zu trainieren, Gefühle wahrzunehmen – ihnen nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern sie auszuhalten und sich damit selbst zu helfen – und die eigenen Ambivalenzen zu klären.
Funktion von Emotionen: Anzeiger für die Beziehung zu sich selbst
Sich selbst auch auf emotionaler Ebene begegnen zu können, Erfahrungen und Gedanken emotional „klingen“ zu lassen gibt uns dabei eine wichtige Orientierung im Leben, denn durch Gefühle stellen wir persönliche Bezüge her. Wer keine Beziehung zu seinen Gefühlen hat, hat keine wirkliche Beziehung zu sich. Es wird dann schwerer herauszufinden, was die eigenen Werte und Ziele im Leben sind, die uns „im Herzen berühren“ und „begeistern“. Häufig zeigen uns unsere Gefühle auch an, wie wir mit uns selbst umgehen. Sie können also ein Hinweis auf unsere Beziehung zu uns Selbst sein. So ist die Fertigkeit, sich selbst zu begegnen, zu trösten, zu beruhigen und zu motivieren ganz grundlegend für unser Wohlbefinden und unseren Erfolg im Leben. Umgekehrt wird es für uns auch fühlbar, wenn wir uns selbst emotional vernachlässigen oder durch ständige und unverhältnismäßige Anforderungen und Kritik überfordern.
Sich selbst zu begegnen und lernen die eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen, zu verstehen was sie uns mitteilen über unsere Bedürfnisse und Vorstellungen, mit uns in Dialog gehen über das was uns wirklich bewegt – das ist für die meisten Menschen lernbar. So können seelische Konflikte oft tiefgreifend verstanden und aufgelöst werden – und eine gute Beziehung zu uns selbst stärkt und trägt uns im Alltag, bestenfalls auch in schwierigen Zeiten.
Funktion von Emotionen: Kommunikation und Regulation von sozialen Beziehungen und Bedürfnissen
Wer keine wirkliche Beziehung zu sich hat, der kann erfahrungsgemäß keine erfüllende und stabile Beziehung zu anderen Menschen erleben. Beziehungen erlangen ihre Lebendigkeit und Qualität ja gerade dadurch, dass wir echte Gefühle erleben und zeigen, sie mit anderen Menschen teilen, Verbindung von Herz zu Herz aufbauen. Damit haben Gefühle eine soziale Funktion. Man kann sich vorstellen, dass man mit jeder emotionalen Qualität miteinander in Kontakt treten kann. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen gelernt haben…
- …sich miteinander zu freuen und Spaß zu haben
- …über gemeinsame Trauer Mitgefühl und Verbundenheit zu erleben oder über die Besprechung von Sehnsüchten und dem, was man schmerzlich im Leben vermisst, Wege zum Glück zu finden
- über Zuneigung Beziehungen und Nähe zu vertiefen
- mit gebührender Angst die eigenen Worte vorsichtig wählen und sich bedachtsam verhalten
- sich mit maßvoller Wut groß und stark zu machen um sich für die eigenen Werte und Bedürfnisse einzusetzen
- mit gesunder Scham einen Fehler bekennen und eingestehen können, die Größe und den Anstand haben zu sagen dass es einem wirklich leid tut
- sich durch Gleichgültigkeit (gesunde „Leck-mich-am-Arsch-Einstellung“) auch mal Erholung und Pausen zu gönnen
- mit Abneigung klare Grenzen zu ziehen und zu sagen was man nicht mag und möchte
- sich selbst durch Niedergeschlagenheit dabei zu bremsen, eine Gedanken einfach auszusprechen oder einem Impuls einfach zu folgen, weil man sich selbst sonst in Schwierigkeiten bringen kann (auch wenn der Gedanke erst richtig gut erschien!)
All das kann sich – in Maßen – sehr positiv auf Beziehungen auswirken. Jede dieser emotionalen Qualitäten kann zwischenmenschlich eine Bereicherung sein – und wenn man „seine Ebene“ noch nicht gefunden hat, wird früher oder später im Zwischenmenschlichen etwas fehlen oder stören. Das muss nicht schlimm sein – kann aber zwischenmenschliche Beziehungen und das eigene Erleben einschränken. Denn man kann sich auch in der Gesellschaft anderer Menschen „einsam“ erleben oder nur in sehr einseitigem Kontakt stehen, wenn man mit bestimmten Facetten seines eigenen Selbst immer zurückhält und nicht gelernt hat diese konstruktiv in den Kontakt mit einzubringen. Gefühle in Beziehungen zeigen kann man sowohl zu wenig als auch zu viel. Es ist gar nicht leicht Emotionsausdruck mit Ziel und Maß zu lernen – und um es noch komplizierter zu machen, hat ja jeder Mensch sein eigenes Maß darin, was zu wenig und zu viel ist!
Viele Wege führen zum Ziel
Mit Techniken wie schematherapeutischen Dialogen, der Kognitiven Umstrukturierung oder Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy können wir lernen, dass es sich lohnt sich aktiv mit Emotionen auseinanderzusetzen. Auch die direkte Beziehung zu TherapeutInnen kann hier ein wertvolles Übungsfeld sein um Neues auszuprobieren und zu lernen. Wer gelernt hat sich aktiv für Emotionen zu interessieren und seine Kräfte in der Auseinandersetzung mit ihnen geschickt einsetzt, der weiß ganz sicher um die Bereicherung und Fülle, die man in der eigenen Seele und in seinen Beziehungen erleben kann. So wächst mit zunehmender Erfahrung der Eindruck: es lohnt sich!
Angenehme Gefühle fördern und unangenehme Gefühle vermindern kann man dabei auf ganz verschiedenen Wegen. Viele der bereits geschilderten Therapiebausteine können wirkungsvolle Wege sein. Lesen Sie sich gerne mehr durch über die anderen Therapiebausteine.
Aufarbeitung belastender Erlebnisse und Traumafolgestörungen
Manchmal sind es Einzelerlebnisse, manchmal Wiederkehrende. Manchmal ist es eine komplexe Lebenssituation, die in der Summe ihrer Teile zu einer Überforderung unserer Bewältigungskapazitäten führen. Manchmal erlebt man sie direkt selbst – aber oft genug reicht es auch Zeuge von ihnen zu sein, damit sie starke Belastungen auslösen können. Manchmal sind die Erlebnisse sehr krass und nicht zu übersehen – andere sind leise, kaum merkbar für Außenpersonen, und dennoch für Betroffene nicht weniger bedeutsam und folgenschwer.
Der Übergang zwischen „belastenden Erlebnissen“ und „traumatischen Erlebnissen“ ist dabei fließend und hat eine subjektive Komponente.
Nicht nur potentiell traumatische Erlebnisse wie:
- (sexueller/körperlicher) Missbrauch/Misshandlung
- Unfälle
- Gewalt
- Freiheitsberaubung
- schwere Krankheiten
- Naturkatastrophen
sondern auch:
- Trauerfälle
- Abtreibungen
- (emotionale) Vernachlässigung
- Einsamkeit
- Enttäuschungen
- emotionaler Missbrauch durch Bezugspersonen
und viele weitere Erlebnisse können uns überfordern. Die Folgen davon zeigen sich nicht nur in der Posttraumatischen Belastungsstörung, sondern können sich auch in anderen psychischen Störungen zeigen (z.B. chronische Depression, Generalisierte Angststörung, Anpassungsstörung, Akute Belastungsstörung, etc.).
Gemeinsam haben diese Erlebnisse, dass sie meist (starke) unangenehme Gefühle auslösen, unsere Denkweise über uns Selbst und das Leben negativ beeinflussen und häufig mit einem Erleben von Hilflosigkeit oder Verzweiflung verbunden sind. Nicht selten fällt es Betroffenen schwer, sich auf das Leben einzulassen, solange sie nicht verarbeitet wurden.
Vielleicht schaffen wir es sogar, sie lange Zeit zu verdrängen, uns von ihnen abzulenken. Aber in Momenten, in denen unsere Schutzmauer schwächer ist oder zusammenbricht, holen sie uns ein. Nicht selten reagieren wir dann auch Jahre später noch in ähnlichen Situationen mit erhöhter Wachsamkeit (Hypervigilanz), Anspannung und chronischem Stress oder erleben uns wie gelähmt. Gerade bei chronischen und wiederkehrenden Depressionen sollte überprüft werden, ob eine Traumafolgestörung vorliegt.
Dabei haben fast alle Betroffenen Schwierigkeiten darüber zu sprechen, möchten sich am liebsten nicht daran erinnern und vermeiden alles, was sie daran erinnert. Das Leben wird so schwierig – muss man doch ständig aufpassen, dass Nichts und Niemand die „Bombe im eigenen Rucksack“ berührt. Denn dann erleidet man nicht nur neuen Schmerz, sondern alter Schmerz scheint uns einzuholen und zu überfordern. So kann das daraus folgende Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten durchaus beim Aufbau von Beziehungen oder der Teilnahme am Leben stören. Wer voller Misstrauen oder Angst vor der nächsten Enttäuschung ist, der wird sich schwerer auf Beziehungen einlassen oder diese genießen können. Andere Betroffene funktionieren von Außen gesehen scheinbar ganz normal – zahlen jedoch innerlich den Preis, dass sie dafür ständig kämpfen müssen und dabei einen reduzierten Genuss am Leben haben. Von Außen kann diese Kämpfe Niemand sehen – und Einsamkeit ist nicht selten eine Folge.
Dabei sind Traumafolgestörungen aus psychotherapeutischer Sicht meistens – mit den richtigen Methoden – sehr gut zu behandeln! Sie zählen zu den am besten behandelbaren psychischen Störungen. Natürlich gibt es dennoch große Unterschiede je nach individuellem Fall. Aber die gute Botschaft lautet: es sind meistens nicht nur die Ereignisse selbst, an denen wir leiden, sondern häufig auch die Art, wie wir sie verarbeiten! Nicht ein Erlebnis führt zu einer Veränderung unserer Einstellung zu uns und zum Leben – sondern wir verändern unsere Einstellungen anhand von Erlebnissen. Verschiedene Menschen ziehen aus den selben Erlebnissen unterschiedliche Schlüsse und derselbe Mensch kann im Laufe des Älterwerdens auf das selbe Erlebnis mit unterschiedlichen Sichtweisen schauen. Das macht mitunter sehr große Unterschiede darin, wie wir uns fühlen. Selbst wenn wir den damaligen Ereignissen machtlos ausgeliefert waren – es liegt in unserer Macht unseren Umgang damit zu verbessern. Man kann die Vergangenheit zwar nicht rückgängig machen – daher versuche ich die Beschäftigung mit ihr auf das Nötige zu reduzieren. Aber wir können lernen die Vergangenheit zu bewältigen und zu „verdauen“. Dann brauchen wir sie nicht mehr zu verdrängen und können uns im Hier und Jetzt freier bewegen. Wir können wachsen, weiser und stärker werden, wenn wir uns „in der richtigen Weise“ mit der Vergangenheit beschäftigen, und häufig sogar von ihr frei werden. Wir können daran im Heute unsere Fertigkeiten im Umgang mit schwierigen Situationen und der Regulation eigener Gefühle trainieren. Die dadurch erworbenen Fertigkeiten dienen uns dann auch im übrigen Leben, helfen uns dem Leben und uns Selbst neu zu begegnen. Nicht selten ist die Bewältigung der Vergangenheit nötig, damit wir uns wieder mit offenem Herzen auf das Leben der Gegenwart und Zukunft einlassen können. Es gibt dafür meistens nicht „den richtigen Zeitpunkt“ und auch kein „zu spät“. Jeder Mensch bestimmt selbst, wann er bereit ist den Preis für eine bessere Lebensqualität zu zahlen. Wichtig zu wissen ist auch, dass eine unbearbeitete, manchmal auch versteckte Posttraumatische Belastungsstörung einen Therapieerfolg im Ganzen sehr bedeutsam mindern kann. Traumafolgestörungen zu behandeln kann also für den Gesamterfolg einer Psychotherapie maßgebend sein.
Gerne begleite ich Sie bei der Aufarbeitung der Folgen von belastenden oder traumatischen Erlebnissen. Denn es ist mir eine besondere Freude zu erleben, wie Menschen sich dazu ermächtigen, wieder selbst die AutorInnen über ihre Leben zu werden anstelle sich von der Vergangenheit bestimmen zu lassen. Gerne unterstütze ich Sie dabei, sich Ihre Lebensqualität nicht mehr nehmen zu lassen, sondern sich einen freien Blick auf das Leben und den Genuss wieder zu erobern. Die Behandlung kann auf verschiedenen Wegen passieren – ich nutze vor Allem evidenzbasierten Methoden, wie Prolonged Exposure, Kognitive Therapie oder Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy.
Stressmanagement
Anforderungen zu bewältigen gehört zu den Lernaufgaben des Erwachsen-werdens. Dabei ist das Leben so komplex und Vielseitig, dass es einem „zu viel“ werden kann.
Die Schwierigkeiten im Umgang damit können an ganz individuellen Problembereichen stecken. Es gibt viele Möglichkeiten, weswegen körperliche und psychische Stress-Symptome auftreten können. Faktoren der Umwelt (z.B. Vollzeitjob und Familie), der Psyche (z.B. Ängste oder Leistungsdenken), des Körpers (z.B. chronischer Schmerz) und des Verhaltens (z.B. zu wenige Strategien zur Erholung) spielen hier hinein. Besonders bei psychosomatischen Erkrankungen und Störungen, die durch Stress entstehen oder verstärkt werden, ist es daher wichtig auf die eigene Balance zu achten (z.B. Kopfschmerzen oder Schlafstörungen). Das Ziel kann es nicht sein, dass man gar keinen Stress mehr erlebt – denn zum Wohlbefinden gehört es dazu, dass wir uns auch ausreichend auslasten. Das heißt: auf die richtige Mischung kommt es an! Und die ist natürlich sehr individuell.
Letztlich dienen viele der bereits beschriebenen Therapiebausteine einer Verbesserung des Stress-Managements. Die folgende Einteilung von Gerd Kaluzas Anti-Stress-Training „Sicher und Gelassen im Stress“ trifft dabei folgende Bausteine der Stressbewältigung:
Das Regenerative Stressmangement – das heißt eine ausgewogene Lebensgestaltung entsprechend meiner Bedürfnisse – wird im Therapiebaustein „Aktive Lebensgestaltung für mehr Gelassenheit und gute Stimmung“ beschrieben. Zentral ist hier das praktische Tun: wie kann ich mein Leben so gestalten, dass genug Raum für Erholung, Auslastung Ausgleich da ist?
Das Mentale Stressmangement ist die Königsdisziplin, denn sie durchzieht alle Maßnahmen der Stressbewältigung. Denn: wie ich mein Leben lebe und es erlebe ist in entscheidendem Ausmaß von meiner inneren Haltung abhängig. Letztlich brauche ich nichts Anderes, um im Leben Stress zu erleben, als den eigenen „Kopf“. Erkenne und verstehe ich meine Probleme? Setze ich die richtigen Erwartungen in mich Selbst und Andere? Bin ich freundlich und unterstützend mit mir selbst? Solche und andere Lebensthemen werden mit dem Therapiebaustein „Neue Sichtweisen entwickeln“ oder auch „Selbst- und Emotionsregulation“ bearbeitet (siehe entsprechende Beschreibung). Auch die „Klärung eigener Werte, Bedürfnisse, Ziele und Identität“ kann uns dabei helfen, durch einen klaren Fokus auf unsere Ziele und Bedürfnisse Kraft für den Alltag zu gewinnen.
Das Instrumentelle Stressmangement hilft uns wiederum dabei, konkrete Lösungen für konkrete Probleme zu erarbeiten. Wie kläre ich Problem- und Zielzustand? Wie will ich mich verhalten? Wie sprechen? Wen um Hilfe fragen? Welche Hilfsmittel verwenden? Hier kann es um Gesprächstechniken, Verhalten, Kommunikation oder Organisation gehen.
Mit Hilfe dieser und weiterer Maßnahmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man die erhöhte Grundanspannung wieder senken kann und den chronischen Stress wieder auf ein „normales“ Stressniveau herabsenken kann. Psychosomatische Beschwerden werden dadurch häufig gelindert oder verschwinden ganz.
Förderung von Beziehungsfähigkeit, Kommunikation und Sozialer Kompetenz
Beziehung zu anderen Menschen ist einer der wichtigsten Faktoren im Leben um sich wohl zu fühlen. Gute Beziehungen puffern Stress erheblich – denn Nähe, Freundlichkeit und Unterstützung tun nicht nur gut wenn man sie von Anderen bekommt, sondern auch wenn man sie anderen geben kann. Damit können wir uns sehr glücklich machen. Aber: menschliche Beziehungen sind oft kompliziert. Wir selbst kommen häufig an Grenzen – und auch andere Menschen tun sich schwer. „Gut gemeint“ ist eben auch nicht immer „gut gemacht“. Obwohl wir Alle unser Bestes geben, kann es vorkommen, dass wir unser angeborenes Potential – Beziehungen aufzunehmen, zu leben und zu genießen – nicht recht entfalten können. Das kann viele Gründe haben.
Ich versuche unsere sozialen Kompetenzen zu beschreiben mit „Sozialem Verständnis“, dem „Sozialen Verhaltensrepertoire“ – und auch der „Begegnungsfertigkeit„. Was ist der Unterschied?
Mit den ersten beiden Punkten meine ich: wie gut verstehe ich soziale Situationen und weiß ich mich zu verhalten? Es geht schwerpunktmäßig um Kognition und Verhalten.
Einige Beispiele wären:
- Habe ich meinen Stil darin gefunden, wie ich Smalltalk, persönlich-emotionale Gespräche (Deeptalk) und Konfliktlösegespräche führen will?
- Kann ich zuhören, beobachten und das Wahrgenommene richtig verstehen? Kann ich auf die Bedürfnisse meines Gegenübers mit einer zu ihren Bedürfnissen passenden Reaktion eingehen?
- Kann ich mich so ausdrücken dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit verstanden werde und meine Äußerungen annehmbar und verträglich sind?
- Bin ich maßvoll und beweglich zwischen gesundem Selbstvertrauen und gesunder Selbstunsicherheit?
- Weiß ich, was ich besser nicht sage, und was gesagt werden muss?
- Weiß ich, wie ich Dinge geschickt ansprechen will?
All diese Fertigkeiten sind wichtig für die Erfüllung bestimmter emotionaler und sozialer Bedürfnisse. Small-Talk gibt uns die Möglichkeit, Leichtigkeit und Lockerheit ins Leben zu bringen, Informationen auszutauschen, Humor zu erleben und unkompliziert in Kontakt mit anderen Menschen zu sein. Deeptalk ermöglicht eine Vertiefung von Verständnis, Nähe, Mitgefühl und Hilfe bei persönlichen oder schwierigen Lebensthemen. Konfliktlösegespräche helfen uns, gemeinsame Regeln zu finden für ein echt harmonisches Miteinander – denn „Harmonie“ kann ja auch ein fauler Kompromiss sein. Wer gelernt hat, geschickt zu „streiten“, der erarbeitet dadurch gemeinsam mit Anderen gute und individuelle Lebensregeln. Nach dem „Gewitter“ ist die Luft dann im besten Fall klarer und das Leben kann neu aufblühen.
Die meisten Menschen können diese Fertigkeiten in ausreichendem Maße lernen. Sozialkompetenz lernt man jedoch definitif nicht alleine – und nicht jeder Mensch hat das Glück und konnte eine Förderung der in ihm schlummernden Potentiale erleben. Manchmal braucht man Hilfe und Ermutigung dabei den eigenen Horizont und das Verhaltensrepertoire zu erweitern. In der Verhaltenstherapie gibt es dafür spezielle Methoden – zum Beispiel das Soziale Kompetenztraining, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapie (CBASP), Rollenspiele oder Verhaltensexperimente.
Mit „Begegnungsfertigkeit“ meine ich die innere Haltung, in der man sich Selbst und den anderen Menschen begegnet. Sie ist aus meiner Sicht noch viel entscheidender als Soziales Verständnis und Verhaltensrepertoire, wenn es darum geht wie wir Sozialkontakte erleben. In einer Zeit, in der fast alles auf Äußerlichkeiten angelegt ist, kann man in Versuchung geraten seine sozialen Beziehungen „abzuhandeln“ anstelle „einander zu begegnen“. Wir nehmen dann verhaltens- oder verstandesmäßig eine Rolle ein, sind jedoch weder in der Begegnung mit uns selbst noch mit Anderen mit dem Herzen dabei. Unsere Umgangsweisen sind dann weniger Ausdruck unseres authentischen Selbstes, führen uns weniger in Kontakt mit Anderen und erfüllen in deutlich geringerem Ausmaß unsere emotionalen Bedürfnisse. So erleben wir Beziehungen als unerfüllend und anstrengend. Vielleicht halten wir uns mit Ängsten, Perfektionismus, immer „stark“ sein wollen, Unsicherheiten oder Misstrauen davon ab, uns auf Beziehungen einzulassen und sie zu genießen.
Gute Beziehung mit anderen Menschen hat Voraussetzungen. Damit zwischenmenschliche Beziehungen zu einem erfüllenden Erlebnis werden können, müssen wir erst lernen mit uns selbst in gewissem Maße eine gute Beziehung zu führen. Dazu gehört es zu lernen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen wo wir sie tatsächlich (im Unterschied zu: Verantwortung an Stellen abgeben, wo wir sie eigentlich haben – oder Schuld auf uns nehmen, die wir eigentlich nicht haben) auch haben und Empathie lernen. Denn wie wollen wir Anderen unsere Gedanken und Gefühle mitteilen und besprechen, wenn wir nicht „mit uns selbst verbunden und im Gespräch“ sind? Eine gute Beziehung zu sich ist die beste Voraussetzung für eine erfüllende Beziehung zu Anderen. So können im Sozialleben Win-Win-Situationen ausgehandelt werden, in der die Bedürfnisse Aller möglichst gut berücksichtigt werden. Daher ist eine gute Begegnungsqualität mit sich Selbst und Anderen aus meiner Sicht in gewissem Umfang eine notwendige Voraussetzung, damit wir Smalltalk, Deeptalk und Konfliktlösegespräche erfolgreich und „mit gutem Gefühl“ lernen und umsetzen können (siehe dazu mehr im Unterpunkt „Beziehung zu sich selbst verbessern“)
Letztlich können wir Menschen „gute Beziehung“ auf ganz unterschiedlichen Ebenen erreichen. Jede Gefühlsqualität kann dabei hilfreich oder störend sein, in Kontakt mit Anderen zu kommen – denn der Ausdruck von Zuneigung, Freude, Wut und Trauer kann Beziehungen sowohl bereichern als auch belasten, je nach dem wie sie eingesetzt werden. Manchen fällt der Ausdruck bestimmter Gefühlsqualtitäten schwer – sie finden mit sich oder Anderen keine Ebene durch „Freude“, „Zuneigung“, „Wut“ oder „Trauer“. Dabei ist es möglich das zu lernen und so über verschiedene Ebenen miteinander in Kontakt zu kommen. Dies kann wichtig sein, um von der inneren Einsamkeit wieder zu mehr Verbundenheit zu finden. Dabei macht beim Ausdruck von Gefühlen die Dosis das Gift – oder das Heilmittel. Es gibt ein „zu viel“ und „zu wenig“ beim Emotionsausdruck – für sich selbst und das Gegenüber! Es sind also zwei Maßstäbe zu berücksichtigen. Der Aufbau und die Pflege von Nähe und Verbundenheit brauchen viel Achtsamkeit, Verständnis und Feingefühl mit sich Selbst und dem Anderen. Auch das will in ausreichendem Maß gelernt sein, wenn nachhaltig stabile Beziehungen entstehen sollen. Nicht umsonst sind zwischenmenschliche Beziehungen für die meisten Menschen das Erfüllenste, aber auch die schwierigste Lernaufgabe im Leben.
Das Erlernen von „Sozialem Verständnis“ und „Begegungsfertigkeit“ sowie die Erweiterung unseres „Verhaltensrepertoirs“ ist aus meiner Sicht eine lebenslange Lernaufgabe. Das Sozialleben ist so vielfältig, dass wir Alle immer etwas zu lernen haben – und viel voneinander lernen können. Das schöne dabei ist – je eher wir uns dazu entscheiden, dass wir auch aktiv etwas dazu lernen wollen – uns selbst und andere Menschen hinterfragen und verstehen lernen – desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir mehr Erfüllung aus dem Sozialleben schöpfen und unnötige Belastungen reduzieren. Auch eine Konflikt- oder Streitkultur kann erlernt, durch die man die Wahrscheinlichkeit steigern kann, dass gemeinsam Regeln des Zusammenlebens gefunden werden, die sich „echt harmonisch“ anfühlen – mit guten Kompromissen. Natürlich ist es nicht nötig und möglich, dass wir all das bis zur Perfektion können, und es lässt sich auch sicher keine Lösung für alle Probleme finden. Es geht aber viel mehr darum seine Grundkompetenzen in diesen Bereichen so weit zu entwickeln, damit wir in ausreichendem Maße befriedigende Beziehungen erleben können. Das bedeutet für Jeden etwas Anderes. Jeder, der sich darin weiter entwickeln möchte, kann dies tun – und mit Unterstützung geht es oft besser.
Gerne helfe ich Ihnen dabei, sich selbst und Anderen zu begegnen, Ihren eigenen Stil und Selbstsicherheit im Auftreten zu finden. Wie kann das geschehen? Therapiebaustein wie die Kognitive Umstrukturierung und Arbeit an der Beziehung zu sich selbst (siehe Beschreibung) helfen Ihnen dabei, die Beziehung zu sich selbst zu klären und dabei ganz viel über den Umgang mit Anderen zu lernen. Die Kognitive Umstrukturierung mit dem Sokratischen Dialog hilft uns ganz besonders dabei, eine innere Klarheit darüber zu bekommen, wer in Beziehungen eigentlich für was verantwortlich ist – das hilft besonders bei Schuld- und Selbstwertproblematiken! Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) bietet eine gute Grundlage, um zunächst zu lernen „sich selbst zu begegnen“ und fördert den Prozess „mit sich ins Reine“ zu kommen. Außerdem lernen wir eigene Ambivalenzen zu bemerken und Lösungen dafür zu entwickeln. Davon profitieren unsere Beziehungen zu anderen Menschen meist fast von selbst. Mit gezielten Übungen – zum Beispiel Situationsanalysen nach CBASP, eine Klärung Ihrer inneren Ambivalenzen und Ziele sowie Rollenspielen lassen sich praktische Verhaltensweisen erarbeiten und erproben. So können Sie Ihre „Rolle“ in Beruf und im Privaten langsam aufbauen und weiter entwickeln – sich vielleicht auch so neu erfinden, dass Ihre soziale oder berufliche Rolle authentischer und lebendiger Ausdruck Ihrer Individualität wird. Auch Verhaltensexperimente oder Imaginationsübungen können dazu beitragen das eigene Repertoire an Verhaltensweisen zu erweitern um seine Beziehungen und die Selbstsicherheit zu verbessern.
Trauerverarbeitung
Trauer kann in Zusammenhang mit vielen äußeren Ereignissen entstehen. Beispiele sind:
- Tod einer nahestehenden Person oder eines Haustiers
- Abtreibungen, Fehlgeburten
- Verlust von Körperteilen
- Trennungen, Verlust von Freundschaften, Umzüge
- Vernachlässigung
- körperliche, sexuelle und verbale Gewalt/Missbrauch
- Ende von Lebensphasen oder bei starken Veränderungen im Leben
- Enttäuschungen, wie z.B. Jobverlust, Untreue, Partnerschaftsproblemen, Verrat, Verlust eines Hauses, etc.
- unerfüllte Lebenswünsche und ungelebtes Leben
Jedoch kann es sein, dass (übermäßige) Trauer gar nicht in erster Linie im Zusammenhang mit äußeren Ereignissen entsteht – sondern beispielsweise auch durch die Art und Weise, wie wir uns selbst begegnen/behandeln oder welche Erwartungen wir an uns und das Leben haben.
Manchmal wird Trauer sogar zum Grundgefühl des Lebens. Es ist zwar normal, dass Menschen in ihrem Leben Trauer erleben – sie gehört zum Leben dazu und ist damit per se nichts pathologisches. Aber es kommt nicht selten vor, dass Menschen sich mit ihr nicht ausreichend zu helfen wissen – die Trauer ist dann stärker als „normal“, kommt in unpassenden Augenblicken oder hält ungewöhnlich lange an. Sie kann nicht nur selbst sehr belastend sein – sondern uns auch dabei stören, uns frei und offenherzig auf das Leben und die Welt einzulassen.
Dabei ist Trauer nicht nur ein schlechtes Gefühl – sie kann uns wichtige Hinweise auf unsere Bedürfnisse und Werte geben – wenn wir sie zu verstehen wissen! Dann kann sie sogar ein Führer dahin werden, dass wir unser Leben auf eine tiefere und bedeutungsvollere Weise ausrichten und dadurch zu neuer Lebenszufriedenheit finden.
Trauern ist nichts, was wir von Geburt an können – wir müssen es lernen. Und erfahrungsgemäß ist es für Menschen eine schwierige Lernaufgabe, dem eigenen Schmerz auf konstruktive Weise zu begegnen. Hier gibt es viele Fallstricke im Umgang mit Trauer und Leid. Und ganz wichtig: trauern lernt man nicht alleine. Gerade die Menschen, die nach dem Motto leben „Ich muss alleine klarkommen“ leiden häufig unter Gefühlen von versteckter Trauer und Einsamkeit. Zwar kann man in vielen Fällen ein gewisses Ausmaß an Trauer auch gut alleine und ohne Andere bewältigen – aber das Leben hält solche Herausforderungen für uns bereit, dass es normal ist, dass die Verarbeitungskapazitäten an Grenzen kommen. Dann braucht man ein Gegenüber, das einem Raum für die eigenen Gedanken und Gefühle gibt und echtes Verständnis zeigt. Zunächst ist es meist erst mal Sinnvoll, der Trauer mit allen Gedanken Worte geben – sie einem anderen Menschen in einem vertraulichen Gespräch mitzuteilen. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass man mit einer anderen Person darüber spricht – sondern vor allem auch wie man darüber spricht. Bereits die Akzeptanz kann sehr wohltuend für Betroffene sein.
Eine wichtige Voraussetzung zum Erlernen von Trauer ist: eine gute Verbindung mit sich selbst!
Leider finden Trauernde in unserer Zeit nicht unbedingt direkt andere Menschen, die ihnen souverän und kompetent begegnen. In unserer Kultur – in welcher Fröhlichkeit und Jugendkult einseitig verehrt werden erscheint Trauer fast wie eine Krankheit, die man desinfizieren will. Das ist ein unwürdiger Umgang – denn Trauer ist ein großer Lehrer, der uns viel über uns selbst und das Leben lehren kann. In der Hilflosigkeit, die andere Menschen angesichts von Trauer erleben, erteilen sie oft wenig hilfreiche Ratschläge – „Du musst loslassen“ – „Ist doch nicht so schlimm“ – „Du musst nach Vorne schauen“ usw. Dann fühlen sich Trauernde häufig unverstanden, noch mehr alleine und ziehen sich frustriert zurück.
Es kann ganz unterschiedliche Gründe dafür geben, warum Menschen mit Trauerverarbeitung Schwierigkeiten haben. Im ersten Schritt der Therapie gilt es, diese zu verstehen. Meist hängen damit innere Konflikte und Blockaden zusammen, durch welche die Trauerverarbeitung gestört ist. Diese müssen in der Regel bearbeitet werden. Das kann mal leichter und mal schwieriger sein. Da Trauern und Tröstung normalerweise lernbar sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass individuelle Lösungen gefunden werden, um Trost und Beruhigung zu erreichen – und später zu einer neuen Offenheit für das Leben zu finden.
Methodisch gibt es viele Möglichkeiten zum Umgang mit Trauer und Schmerz. Eine davon ist Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy.
Suche nach weiteren Informationen
Hier finden Sie weitere Informationen zu:
- Hilfe im Notfall
- Suche nach einem Psychotherapieplatz
- Orientierung im Gesundheitssystem (Wer ist für mich zuständig?)
- Selbsthilfemöglichkeiten
Notfälle – Hilfe für den Akutfall rund um die Uhr
Telefonische Soforthilfe
Telefonseelsorge (kostenlos, anonym, 24/7):
- 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Alternativ: auf der Website der Telefonseelsorge
Nummer gegen Kummer (Kinder & Jugendliche):
- 116 111 (Mo–Sa, 14–20 Uhr)
- Elterntelefon: 0800 111 0 550
Achtung: es kann sein dass es gelegentlich zu Wartezeiten kommt, da die Leitungen voll belegt sind. Bleiben Sie dran oder versuchen Sie es einfach nochmal!
Akute Gefahr für sich und Andere
Wenn Sie den Eindruck haben dass Jemand akut Selbst- oder Fremdgefährdet ist – d.h. es besteht JETZT oder zumindest ZEITNAH Gefahr für Leib und Leben – dann rufen Sie den Rettungsdienst oder die Polizei. Manchmal ist es schwer selbst abzuschätzen wie groß die Gefahr ist – dann bleiben Sie damit nicht alleine! Es kann eine große Belastung und Überforderung sein, in dieser Unsicherheit zu leben. Die Rettungsdienste/Polizei können Ihnen zum Teil schon am Telefon dabei helfen einzuschätzen, ob ausreichend Hinweise für einen notwendigen Einsatz vorliegen. Es hilft weder Ihnen noch anderen Menschen, wenn Sie lieber wegschauen, nichts tun und damit alleine bleiben. Die folgenden Telefonnummern sind ausschließlich für den akuten Notfall. Sofern Sie den Eindruck haben, dass eine latente Gefahr besteht – das heißt es gibt ein Gefahrenpotential, aber es gibt keine eindeutigen Hinweise darauf, dass sofort oder zeitnah Gefahr besteht – dann sollten Sie dennoch zeitnah Beratung und Unterstützung suchen oder anbieten. Es gibt zahlreiche Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten – bei HausärztInnen, Sozialberatung, PsychotherapeutInnen und auch Online. Lesen Sie hierfür meine Hinweise in „Latente Selbstgefährdung“. Sie können sich auch sehr gute Informationen zum Thema Suizidalität/Lebensmüdigkeit holen bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (einfach in einer Suchmaschine eingeben!)
-
Rettungsdienst: 112
-
Polizei: 110
Latente Selbstgefährdung
Latente Selbstgefährdung bedeutet: Sie haben den Eindruck, dass eine Person möglicherweise eine erhöhte Neigung hat, sich selbst schwer zu verletzen oder zu töten, jedoch nicht unbedingt zeitnah bzw. dringend.
Nicht immer ist es möglich oder eindeutig, dies zu erkennen. Häufig geben Menschen jedoch Signale, die auf ihre Not oder ihre Suizidabsichten hinweisen, bevor sie einen Suizidversuch machen. Denn: sie sind ambivalent. Das heißt: eine Seite von ihnen wünscht sich Hilfe und einen Ausweg im Leben, die Andere erwägt einen Ausweg durch den Tod. Daher sollte man auf etwaige Signale achten und diese ernst nehmen. Selbst wenn ein Mensch bereits viele Hinweise darauf gegeben hat, dass er sich selbst töten will, heißt das nicht unbedingt, dass er es bei der nächsten Ansage wieder nicht tut. Wenn Sie unsicher sind, wie diese Signale einzuschätzen sind, dann lassen Sie sich professionell beraten. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention bietet auf ihrer Internet-Seite sehr gute und ausführliche Informationen an für Betroffene und deren Angehörige.
Hinweise für eine latente Lebensmüdigkeit können z.B. so aussehen:
Kognitive Hinweise
-
Wiederkehrende Aussagen wie:
-
„Ich wüsste nicht, wozu ich noch hier bin.“
-
„Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre.“
-
„Ich habe keine Perspektive mehr.“
-
-
Übermäßige Beschäftigung mit Tod, Sterben oder Unfällen
-
Verharmlosung von Leid: „Ist doch egal, was mit mir passiert.“
-
Indirekte Abschiedssignale (z. B. Weitergabe von Gegenständen, Ordnung schaffen)
Emotionale & psychische Hinweise
-
Tiefe Hoffnungslosigkeit, „innere Leere“
-
Gefühl von Wertlosigkeit oder Schuld
-
Zunehmende emotionale Abstumpfung
-
Plötzliche „unpassende“ Gelassenheit nach einer Phase starker Verzweiflung (Hinweis: kann auf gefassten Suizidentschluss hinweisen)
Verhaltensänderungen
-
Rückzug, Vermeidung sozialer Kontakte
-
Plötzliche Aufgabe von Plänen, Interessen, Therapie
-
Ungewöhnlich risikobehaftetes Verhalten (z. B. im Straßenverkehr, Substanzkonsum)
-
Verweigerung von Hilfe, Medikamenten oder Lebensmitteln
-
Selbstvernachlässigung (Hygiene, Gesundheit, Ernährung)
Körperliche Anzeichen
-
Medikamentenmissbrauch oder -absetzen ohne ärztlichen Rat
-
Häufige Unfälle, Verletzungen – ggf. mit unklarer Entstehung
Wann sollte man in eine psychiatrische Klinik aufsuchen?
Im Folgenden finden Sie Hinweise darauf, dass es für Sie wichtig sein könnte sofort oder zeitnah eine Notaufnahme in einer psychiatrischen Klinik aufzusuchen. Vor Ort wird man Sie dann untersuchen und klären, ob es eine Indikation für eine Notaufnahme oder andere Behandlungsangebote gibt.
-
Sofortige Vorstellung dringend empfohlen bei:
-
Suizidgedanken oder -absichten mit akuter Selbstgefährdung
-
Besonders bei konkreten Plänen oder bereits geplanten/vorbereiteten/unternommenen Handlungen
- Falls keine akute Selbstgefährdung besteht (lebensmüde Gedanken sind da, aber Sie haben den Eindruck, dass Sie sich gut darauf verlassen können, dass Sie in nächster Zeit am Leben bleiben wollen) sollten Sie zeitnah professionelle Hilfe bei einem Hausarzt, Psychiater oder Psychologischen Psychotherapeuten aufsuchen um sich diesbezüglich beraten zu lassen. Lebensmüde Gedanken sind als ernst zu nehmende Symptome von psychischen oder körperlichem Störungen anzusehen, die meist gut behandelt werden können.
-
-
Akuten Angst-, Panik- oder psychotischen Zuständen
-
Wenn die Realität verzerrt wahrgenommen wird (z. B. Wahn, Stimmenhören)
- Angstzustände mit starken Körperreaktionen sollten medizinisch abgeklärt werden bevor von einer psychisch (mit-) bedingten Panikattacke ausgegangen werden kann
-
-
Selbstverletzendem Verhalten
-
Schneiden, Verbrennen oder andere akute Selbstschädigung
-
-
Starkem inneren Druck / emotionaler Überforderung
-
Wenn kein Ausweg mehr gesehen wird
-
-
Aggressivität oder Gewalt gegen andere
-
Besonders bei Gefahr für Mitmenschen
-
-
Plötzlichem Abbruch der Medikamenteneinnahme oder von Suchtmitteln mit einhergehenden Entzugserscheinungen
-
Bei bekannten psychiatrischen Vorerkrankungen
- Bei Suchterkrankungen, wie z.B. dem plötzlichen Absetzen von Alkohol
-
-
Verwirrtheit oder Desorientierung
-
Besonders bei älteren Menschen oder unter Medikamenten/Drogen
-
-
Psychiatrische Kliniken (Notaufnahmen)
Psychiatrische Kliniken (Notaufnahmen)
-
In jeder größeren Stadt gibt es psychiatrische Kliniken mit 24h-Aufnahme
-
Google: „Psychiatrische Notaufnahme + [Stadtname]“
-
Hier finden Sie die zuständigen Kliniken für den Kreis Mainz-Bingen sowie Rhein-Hunsrück:
Region Mainz-Bingen:
1. Rheinhessen-Fachklinik Alzey
2. Universitätsmedizin Mainz – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Region Rhein-Hunsrück
1. Hunsrück Klinik in Simmern– Stiftung kreuznacher diakonie
2. Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach
Suche nach einem Psychotherapieplatz
Wie bekomme ich einen Therapieplatz?
Der Weg zur Psychotherapie kann Geduld erfordern – aber er lohnt sich.
Warten Sie daher nicht damit, wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie Hilfe benötigen. Packen Sie es an.
Folgende Hinweise können Ihnen helfen, strategisch geschickt voran zu gehen.
1.Prüfen Sie: sind Sie in der Lage sich selbständig Gespräche bei PsychotherapeutInnen und Ärzten zu organisieren oder benötigen Sie dabei Hilfe?
- Gerade wenn es einem nicht gut geht, ist es besonders schwer sich selbst Hilfe zu organisieren. Es ist daher keine Schande, wenn man sich Unterstützung dabei holt.
- Wenn Sie alleine zu viele Schwierigkeiten damit haben, dann fragen Sie den Sozialpsychiatrischen Dienst um Hilfe (siehe Unterpunkt)
- Mittlerweile gibt es Organisationen, die die Aufgabe für PatientInnen übernehmen, Kontakt zu PsychotherapeutInnen aufzunehmen.
- Nehmen Sie für die Suche nach einer Therapie eine hilfreiche innere Haltung ein. Es bringt Ihnen nichts, wenn Sie es gar nicht erst versuchen oder nicht dran bleiben. Vielleicht können Sie es als Herausforderung sehen: zeigen Sie sich selbst, dass Sie es ernst meinen – dass Sie für sich selbst da sein und sich ernsthaft in ein besseres Lebensgefühl helfen wollen. Lassen Sie sich vor Allem durch Wartezeiten nicht entmutigen.
2. Nutzen Sie mehrere Kanäle gleichzeitig, z.B.:
- die Suchmaschinen für PsychotherapeutInnen (siehe Unterpunkt)
- die Terminservice-Stelle (siehe Unterpunkt)
- Listen von TherapeutInnen von Krankenkassen
2. Gehen Sie systematisch vor
- Erstellen Sie eine Liste mit mindestens 10-15 TherapeutInnen mit Namen, Telefonnummern, E-Mail, Sprechstundenzeiten, Wartezeit bis zum Erstgespräch und voraussichtliche Wartezeit bis zum Therapiebeginn
- Dokumentieren Sie: an welchem Datum haben Sie wen angerufen oder per Mail kontaktiert und was geantwortet wurde. Dies ist wichtig für ein eventuelles Kostenerstattungsverfahren.
- Bleiben Sie im Kontakt mit den Psychotherapeuten freundlich, kurz und bestimmt
- Wenn Niemand antwortet: nach 5 Tagen erneut kontaktieren
- Viele PsychotherapeutInnen antworten nicht sofort. Das ist nicht böse gemeint – der Bedarf ist sehr hoch. Lassen Sie sich nicht entmutigen! Wer dran bleibt, findet meist eine passende Hilfe!
- Wenn Sie nachweisen können, dass Sie sich ausgiebig angestrengt haben einen Platz zu finden – es in zumutbarer Zeit jedoch keinen Therapieplatz gibt – dann können Sie versuchen eine Bewilligung bei Ihrer Krankenkasse zu bekommen, dass diese einen Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung für Sie bezahlt, sofern Sie einen finden.
Sinnvoll kann es sein, wenn Sie sich auf mehrere Wartelisten setzen lassen. Denn hier oder da kann es schon mal schneller gehen.
3. Nehmen Sie Erstgespräche wahr und treffen Sie Ihre Wahl.
Achten Sie darauf:
- Fühlen Sie sich wohl? Wenn nicht: machen Sie sich klar woran das liegt. Sprechen Sie dies aktiv an bevor Sie abbrechen! Das kann sich lohnen – denn so lernen Sie und Ihre TherapeutIn sich besser kennen. Sie geben sich so die Chance anfängliche Irritationen zu klären. Manche anfänglichen Schwierigkeiten lassen sich so aus dem Weg räumen.
- Wird Ihr Anliegen ernst genommen?
- Wenn es nicht passt: Weitermachen. Sie dürfen ablehnen und weitersuchen.
4. Planen Sie Alternativen und Übergangshilfen
- Orientieren Sie sich an Selbsthilfemöglichkeiten (siehe Beschreibung). Es gibt sehr viel hilfreiche Literatur, Videos, Digitale Gesundheitsanwendungen (verschreibungspflichtige Apps), professionelle Beratungsangebote, Angebote von Krankenkassen und Selbsthilfegruppen
- Nutzen Sie HausärztInnen und psychosoziale Beratungsangebote
- Ausbildungsinsitute für Psychotherapie haben teilweise kürzere Wartezeiten – und bieten gleich gute Therapieergebnisse dank engmaschiger Betreuung durch erfahrene TherapeutInnen. Diese finden Sie z.B. in Mainz, Wiesbaden, Bad Kreuznach und Andernach.
- Kostenerstattungsverfahren für gesetzlich Versicherte: Sofern Sie dokumentieren können, dass Sie sich ausgiebig um einen Psychotherapieplatz bemüht haben und kein Termin in zumutbarer Zeit zur Verfügung steht, können Sie das Kostenerstattungsverfahren versuchen. Das bedeutet, dass Sie sich auch einen Psychotherpeuten ohne Kassenzulassung in Anspruch nehmen können, der dann eventuell doch von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird. Genauere Informationen dazu finden Sie auf der Website der Bundespsychotherapeutenkammer, wenn Sie „Wege zur Psychotherapie“ in eine Suchmaschine eingeben
Sie finden weitere gute Beratungsangebote um einen Therapieplatz zu finden unter dem Unterpunkt „Ausführliche Informationen: Wege zur Psychotherapie“.
Gut zu Wissen: es gibt spezielle PsychotherapeutInnen für spezielle Probleme!
Grundsätzlich sind alle PsychotherapeutInnen ausgebildet für die Behandlung der gängigen psychologischen und psychosomatischen Störungen/Erkrankungen. Jedoch: es gibt Spezialisten! Es muss nicht unbedingt sein, dass Sie eine Therapeutin/ einen Therapeuten finden, die/der genau auf Ihr Problem passt. Mitunter kann es sich jedoch lohnen die Augen offen zu halten für passende Angebote. Denn das Spektrum an psychischen Störungen und Therapiemöglichkeiten ist so groß – ähnlich wie im ärztlichen Bereich – dass PsychotherapeutInnen sich durchaus unterscheiden in ihrem Erfahrungshorizont. Es kann also einen Unterschied machen ob sich Jemand spezialisiert hat – muss es aber nicht.
Anerkannte Vertiefungen und Spezialisierungen sind zum Beispiel:
- Schmerzpsychotherapie – z.B. bei chronischen körperlichen Schmerzen oder Kopfschmerzen
- Psychoonkologie – für die Begleitung bei Krebserkrankungen
- Psychotraumatologie – für die Verarbeitung belastender Erlebnisse und/oder Traumata. Konkrete wissenschaftlich evaluierte Verfahren wären zum Beispiel: EMDR oder IRRT
- Psychodiabetologie
- Kognitive Verhaltenstherapie speziell für Schlafstörungen (Primäre Insomnie)
- Neuropsychologie – bei Hirn- und Nervenschädigungen, wie z.B. nach Schlaganfällen oder Unfällen
- Schematherapie oder Dialektisch-Behaviorale Therapie – gut für Persönlichkeitsstörungen, besonders Borderline
- Cognitive Behavioral Analyses System of Psychotherapie (CBASP) – gut für chronische Depressionen
- Sexualtherapie (z.B. bei Erektionsstörungen, Lubrikationsstörungen, Orgasmusstörungen, mangelnder sexueller Lust bzw. Sexueller Unlust, etc.)
- Paartherapie (nicht von Krankenkassen bezahlt)
Ausführliche Informationen: Wege zur Psychotherapie
Die Bundespsychotherapeutenkammer bietet ausführliche Informationen zur Suche nach einem Psychotherapieplatz an. Sie finden
die Website, wenn Sie in eine Suchmaschine „Wege zur Psychotherapie bptk“ eingeben.
Wenn man Selbst nicht mehr in der Lage ist sich selbst Hilfe zu organisieren: der Sozialpsychiatrische Dienst kann helfen!
Die Suche nach einem Psychotherapeuten ist nicht immer leicht. Sie erfordert mitunter: dran bleiben und Geduld.
Besonders wenn man in einer Krise ist, fällt einem das besonders schwer. Dann schaffen wir es manchmal nicht mehr, scheinbar einfache Aufgaben im Alltag zu bewältigen.
Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in seelischen Krisen. Er bietet kostenlose und vertrauliche Beratung, Unterstützung und Koordination von Hilfsangeboten. Der SpDi richtet sich an Betroffene aller Altersgruppen sowie an deren Angehörige und Bezugspersonen.
Sollten Sie sich selbst krankheitsbedingt nicht motivieren können, sich Hilfe zu suchen, dann können Sie den Sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Region kontaktieren. Dieser begleitet Sie auf Ihrem Weg zu Hilfe und bietet z.B.:
- Beratung bei psychischen Erkrankungen und Krisensituationen
- Information über und Vermittlung zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten
- Hausbesuche und persönliche Gespräche unter Schweigepflicht
- Psychosoziale Begleitung und Stabilisierungshilfen
- Unterstützung nach stationären Aufenthalten
- Unterstützung bei rechtlichen Fragen und Anträgen
Sie finden den Sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Region, wenn Sie in einer Suchmaschine „Sozialpsychiatrischer Dienst“ und den Namen Ihrer Stadt eingeben.
Sowohl die Region Mainz-Bingen als auch Rhein-Hunsrück sind damit versorgt.
Hinweis: Die Angebote des Sozialpsychiatrischen Dienstes sind kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht. Es wird empfohlen, vorab telefonisch oder per E-Mail einen Termin zu vereinbaren.
Suchmaschinen für PsychotherapeutInnen
Besuchen Sie hierfür zum Beispiel die Websites der:
- Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz
- Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DptV)
- Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz
Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung (TSS)
Die Terminservicestelle hilft Ihnen dabei, zeitnah einen Termin bei bestimmten Ärztinnen oder Psychotherapeutinnen zu finden – vor allem dann, wenn Sie selbst keinen bekommen.
Sie ist ein kostenloses Angebot der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland und richtet sich an gesetzlich Versicherte.
Wie erreicht man die TSS?
Einheitliche Telefonnummer bundesweit:
116 117 (ohne Vorwahl)
Täglich rund um die Uhr erreichbar – auch an Wochenenden und Feiertagen.
Oder online über:
Orientierung im Gesundheitssystem
HausärztInnen
Was sie tun:
- Erkennen erste Anzeichen psychischer Probleme (z. B. Depressionen, Angststörungen, Schlafprobleme) und beraten PatientInnen.
- Sie können auch Medikamente verschreiben
Wann sie zuständig sind:
- Bei leichten bis mittelschweren psychischen Störungen, oft als erste Anlaufstelle.
- Wenn nötig, überweisen sie an Spezialisten, d.h. einen der drei genannten Berufsgruppen mit Facharztstatus (PsychotherapeutIn, PsychiaterIn, PsychosomatikerIn)
Fachärzte für Psychische Störungen: es gibt drei Arten!
Achtung: jetzt wird es etwas verwirrend – aber so schwer ist es gar nicht! Es gibt drei Berufsgruppen mit „Facharzt-Status“. Alle drei sind auf ihre Weisen Spezialisten im Umgang mit psychosomatischen und psychologischen Störungsbildern.
Zwei davon sind im klassischen Sinne MedizinerInnen – das heißt sie haben ein Studium in Humanmedizin absolviert und sich spezialisert auf die Behandlung psychischer Störungen und Krankheiten. Daher nennt man sie „Ärztliche PsychotherapeutInnen“. Diese heißen:
- PsychiaterInnen
- PsychosomatikerInnen
Die Dritten sind PsychologInnen (Diplom oder Master of Science Psychologie) mit einer mindestens dreijährigen Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten inklusive Approbation:
- Psychologischen PsychotherapeutInnen
Obwohl sich alle drei um die Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen bemühen, haben sie unterschiedliche Schwerpunkte, die ich im Folgenden kurz erläutere. Wichtig dabei ist zu beachten, dass das Folgende nicht für alle Ärzte und PsychotherapeutInnen gleichermaßen zutrifft – denn obwohl es Tendenzen gibt, kann es bei einem individuellen Therapeuten immer nochmal andere Schwerpunkte geben (z.B. ein Psychiater, der sich dazu entschlossen hat, vor Allem psychotherapeutisch anstelle medikamentös zu arbeiten – oder ein Psychotherapeut der schwerpunktmäßig PatientInnen mit Krebs, Schmerzen oder Diabetes behandelt). Der Überblick soll eine grobe Orientierung bieten.
Facharzt: PsychiaterIn
Was sie tun:
- Diagnostizieren und behandeln alle psychischen Erkrankungen — von Depression über Psychosen bis hin zu Suchtproblemen.
- Sie dürfen Medikamente verschreiben und auch Psychotherapie anbieten.
- Ihr Schwerpunkt ist meist eher die medikamentöse Therapie, dennoch begleiten sie Menschen mit psychischen Störungen.
- Meist ist ihr psychotherapeutischer Hintergrund von der Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie geprägt.
Wann sie zuständig sind:
- Bei mittelschweren bis schweren psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, besonders wenn Medikamente gebraucht werden.
Facharzt: PsychosomatikerIn
Was sie tun:
- Behandeln psychosomatische Störungen, d.h. solche bei denen der Körper und die Seele sich gegenseitig stark beeinflussen (z. B. chronische Schmerzen mit psychischen Ursachen, Essstörungen, somatoforme Störungen).
- Im Vergleich zu Psychiatern spielt die Psychotherapie eine größere Rolle, im Vergleich mit Psychologischen PsychotherapeutInnen spielen medikamentöse und körperliche Aspekte eine größere Rolle.
- Meist ist ihr psychotherapeutischer Hintergrund von der Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie geprägt.
Wann sie zuständig sind:
- Bei mittelschweren bis schweren psychischen und psychosomatischen Erkrankungen/Störungen, vor Allem wenn sie stark mit körperlichen Beschwerden oder Ursachen verbunden sind.
Facharzt: Psychologische PsychotherapeutIn
Was sie tun:
- Bieten reine Psychotherapie an — also Gespräche, Übungen und Training für Denken, Verhalten und Gefühle.
- Sie sind im Vergleich zu PsychiaterInnen und PsychosomatikerInnen besonders umfassend ausgebildet in psychotherapeutischen Behandlungsmethoden.
- Sie verschreiben keine Medikamente, arbeiten aber häufig bezüglich somatischer Diagnostik und medikamentöser Therapie mit ÄrztInnen zusamme. Sie beraten bezüglich Behandlungsmöglichkeiten von psychischen Störungen auch in gewissem Umfang zu Psychopharmaka.
- PsychotherapeutInnen unterscheiden sich stark danach, nach welcher Therapieschule sie arbeiten – von den vier großen, zugelassenen Therapieverfahren sind alle vertreten: Psychoanalyse, Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie und Systemische Therapie.
Wann sie zuständig sind:
- Bei leichten bis schweren psychischen und psychosomatischen Störungen/Erkrankungen.
- Das heißt, dass sie auch bei bestimmten Problemen helfen und unterstützen können, wenn körperliche Beschwerden einen wichtigen Anteil der Erkrankung/Störung ausmachen.
Achtung: PsychologInnen sind nicht unbedingt PsychotherapeutInnen!
Im Alltag scheinen die Menschen aus PsychologInnen und Psychologischen PsychotherapeutInnen keinen Unterschied zu machen. Und das kann man Niemandem vorwerfen – denn die Unterschiede sind ja auch sehr verwirrend! Dabei sind PsychotherapeutInnen deutlich höher Qualifiziert als PsychologInnen. Der Unterschied liegt im „Facharztstatus“ bzw. der Approbation. PsychologInnen dürfen keine Diagnostik von psychischen Störungen machen und sind nicht dafür ausgebildet diese zu therapieren. PsychologInnen können ähnlich wie die Ärzte nach ihrem Studium in Psychologie (Master of Science) die Zusatzqualifikation PsychotherapeutIn erwerben. Das sind mindestens drei zusätzliche Jahre an Studium.
PsychologInnen:
-
Ausbildung: Studium der Psychologie (Bachelor und Master).
-
Tätigkeiten: Diagnostik (Tests, Gutachten, Forschung) und Beratung –
-
PsychologInnenen sind jedoch NICHT ausgebildet, um psychische Störungen zu diagnostizieren und zu therapieren! Die Diagnostik kann sich z.B. beziehen auf: Intelligenztestung, Leistungstestungen oder Personalauswahl….
➔ Wichtig: Psychologe ≠ Psychotherapeut! (Ein Psychologe darf nur nach zusätzlicher Ausbildung Psychotherapie anbieten.)
PsychotherapeutIn:
-
Ausbildung: Studium der Psychologie mit Abschluss als Master of Science (mindestens 5 Jahre) + anschließende Therapieausbildung (z. B. Verhaltenstherapie, Psychoanalyse; mindestens 3 Jahre) + Approbation.
-
Tätigkeit: Diagnostik und Therapie psychischer Störungen (z. B. Einzel-, Gruppentherapie).
-
Behandlungsschwerpunkt im Vergleich zu ärztlichen TherapeutInnen: psychologische Diagnostik und Therapie, Keine Medikamentenverschreibung.
HeilpraktikerInnen für Psychotherapie
HeilpraktierInnen für Psychotherapie bieten wertvolle Unterstützung für Ratsuchende und Menschen mit psychischen Störungen an. Im Vergleich zu den Facharzt-Standards bei Ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten sind die Ausbildungsstandards bei HeilpraktikerInnen deutlich geringer. Auch werden sie wesentlich weniger streng staatlich kontrolliert – die laufende Qualitätssicherung ist daher deutlich mehr ihnen selbst überlassen. Dennoch kann ihr Angebot hoch qualifiziert und hilfreich sein. Für Laien ist es mitunter schwierig einzuschätzen ob eine psychische Störung mit Behandlungsbedarf vorliegt – und welche Art der Behandlung für sie wirksam ist. Empfehlenswert ist hierbei, dass Sie mit den HeilpraktikerInnen ins Gespräch darüber gehen und/oder sich eine Einschätzung von ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen mit Approbation dazu einzuholen, ob Ihre Thematik in einen solchen Behandlungskontext passt.
-
Ausbildung: Heilpraktikerprüfung (beschränkt auf Psychotherapie), keine universitäre Ausbildung notwendig.
-
Tätigkeit: Psychotherapie und alternative Verfahren
Selbsthilfe
Wussten Sie schon, wie viele Arten von Selbsthilfe es gibt? Die Möglichkeiten sind Vielfältig. Häufig können Menschen so Ängste und Depressionen deutlich bessern oder sogar überwinden. Jedoch: Selbsthilfe hat Grenzen. Einerseits ist es gut Verantwortung für sich zu übernehmen und selbst aktiv zu werden – andererseits kann es auch die Zeit, bis man passende Hilfe findet, verzögern. Denn nicht mit allen Problemen kann man sich selbst so leicht selbst helfen. Es ist für Laien und Professionelle nicht immer leicht die Grenzen und Möglichkeiten der Selbsthilfe einzuschätzen. Ich empfehle daher zwei Dinge:
- Seien Sie mutig, schauen Sie sich nach Selbsthilfemöglichkeiten um und probieren Sie aus! Mit einigen Dingen kommt man sicherlich sehr gut voran und manch Einer braucht dann keine Psychotherapie mehr. Hilfreich ist es dabei, wenn man nicht versucht den ganzen großen Berg auf einmal zu bewältigen – sondern seine Probleme in Teilprobleme zerlegt – und eins nach dem Anderen angeht. Informieren Sie sich über Selbsthilfeangebote weiter unten!
- UND: wenn Sie psychische Leiden haben, dann bleiben Sie damit nicht alleine – lassen Sie sich bezüglich Ihres Hilfebedarfs von Fachpersonal beraten! Nach erfolgter Diagnostik berate ich Sie gerne auch individuell zu hochwertigen Selbsthilfemöglichkeiten. Im Folgenden finden Sie dazu bereits einige Hinweise. Denn der Mensch und die Psyche sind sehr komplex – es gibt viel zu wissen und zu beachten, wenn man Erfolge und Veränderungen erzielen will. Die Gefahr ist deshalb da, dass man viel Zeit damit verbringt, an sich selbst „herum zu doktorn“ – und seine Kraft dabei nicht sonderlich effizient einsetzt. Ich schlimmsten fall wird dies als frustrierend und deprimierend erlebt, sodass eine Symptomatik auch noch schlechter werden kann (abgesehen von der Lebenszeit, die Sie sicher gerne mit angenehmeren Dingen genutzt hätten). Mit der richtigen professionellen Hilfe geht Fortschritt jedoch häufig sehr viel schneller, effektiver und nachhaltiger.









